Enges, mehrfach ausgeschnittenes Kleid, die rechte Hand in der Hüfte: Es war einer dieser Auftritte, die keiner großen Worte bedürfen. Die Schauspielerin Julia Fox eröffnete die Show des New Yorker Designers LaQuan Smith in einem historischen Nachtclub. Das gut informierte Fashion-Week-Publikum verstand sofort. Beendet ist der öffentlichkeitswirksame, einmonatige Flirt von Kanye West und der amerikanischen Schauspielerin. Das offenherzige Schlauchkleid? Ein "Revenge Dress", was denn auch sonst? Während der Rapper seiner Ex Kim Kardashian am Valentinstag eine Lkw-Ladung roter Rosen vor die Tür stellte, machte Fox der interessierten Öffentlichkeit klar: Dieser Mann kann mich mal! Sie griff zu einem bewährten Mittel: einem Kleidungsstück, das am Selbstbewusstsein seiner Trägerin keinen Zweifel lässt.

Julia Fox auf dem Laufsteg von LaQuan Smith.
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Damit steht die Schauspielerin Julia Fox nicht allein da. Ohne rasante "Cut Outs" ist derzeit weder ein Shooting noch eine Modenschau zu machen. Schönstes Beispiel der vergangenen Monate: Während der gemeinsamen Show der Modehäuser Fendi und Versace schritten Amber Valletta und Kate Moss so einträchtig wie sexy über den Laufsteg. Die eine mit minimalem Hautblitzer, die andere mit einem tropfenförmigen Ausschnitt in Brusthöhe.

Amber Valletta und Kate Moss liefen für Fendi und Versace auf.
Foto: Fendi/Handout via REUTERS

Und dann erst Naomi Campbell in ihrem Mama-Shooting für die britische "Vogue". Während das 51-jährige Model im Interview Gerüchte über eine mögliche Adoption ihrer Tochter aus dem Weg räumte, beantworteten der gelöcherte Bodysuit und die dazu passenden Leggings von Burberry andere Fragen. Ja, Frau kann sowas auch mit Anfang fünfzig tragen. Und ja, Campbell wird selbstverständlich auch als Mutter modeln.

Wer nun auf den Geschmack gekommen ist und ein wenig tiefer in den Geldbeutel greifen kann: Der Designer Casey Cadwallader entwirft für das französische Modehaus Mugler Kleider, die trotz Löchern nicht nach Lumpen aussehen. Das beweist Popstar Dua Lipa. Sie hat das Glück, von dem Designer für ihre Konzerte angezogen zu werden.

Die wichtigste Botschaft aber hat die in London lebende Designerin Sinéad O’Dwyer im Gepäck. Sie führt vor, dass sexy Cutouts nicht nur für dünne Menschen gemacht sind. Das vergisst die Modeindustrie leider zu gern. (Anne Feldkamp, 16.2.2022)