Maria Antonia und ein Bube, ein Wunderknabe gar, namens Amadé erleben im Theater der Jugend höchst kuriose Abenteuer.


Foto: Rita Newman

Der Überlieferung nach spielte Wolfgang Mozart der Kaiserin Maria Theresia nicht nur bereits im zarten Alter von sechs Jahren vor, er sprang ihr danach auch enthemmt auf den Schoß und küsste sie "rechtschaffen" ab. Ob’s wahr ist? Nicht, wenn man Thomas Birkmeir glauben darf.

Der künstlerische Direktor des Theaters der Jugend schrieb für sein Haus Das höchst kuriose Abenteuer der hochwohlgeborenen kaiserlichen Tochter Marie Antoinette und des allseits bekannten Wunderkindes Wolfgang Amadé Mozart, kurz Amadé und Antoinette, das in der Regie von Nicole Claudia Weber zu sehen ist.

Wie der Titel schon andeutet, hat der junge Wolfgang, dargestellt von Thomas Fischnaller Wachtler, darin so viele Abenteuer zu erleben, dass für die ehrgeizigen Promotionspläne seines strengen Vaters Leopold (Michael Schusser) und die Kaiserin (Tania Golden) nun wirklich keine Zeit bleibt.

Denn in den Schönbrunner Gärten lernt er ein Mädchen kennen, das ebenso aufmüpfig und von sich überzeugt ist wie er selbst: Erzherzogin Maria Antonia, die sich, ihr tragisches Schicksal bereits vorwegnehmend, Marie Antoinette nennt und von Ursula Anna Baumgartner dargestellt wird.

Federwesen

Doch für die Härten der Realität ist da wenig Raum, überhaupt nimmt es das Stück im Stile eines Zaubermärchens damit nicht allzu genau. Amadé und Antoinette landen unversehens in einer düsteren Parallelwelt (Ausstattung: Friedrich Eggert), in der die Königin der Nacht (Pia Baresch) herrscht.

Nachdem ihre Kinder beim Erhaschen eines blau schimmernden Vogels in Form eines batteriebetriebenen neonblauen Federwesens und nahen Verwandten der blauen Blume der Romantik zu Tode kamen, zwingt die verhärtete Frau einen Vogelfänger – selbst zu Stein verwandelt noch mit losem Mundwerk: Frank Engelhardt –, alles Vogelgezwitscher im Lande zum Verstummen zu bringen. Auch Singen, Tanzen und die dazu nötige Fantasie sind verboten. Zum Glück aber ist Wunderkind Amadé der prophezeite Erlöser, der die böse Königin endlich zum Weinen bringt und damit den Bann bricht.

Mutter oder herzlose Hexe

Das ist mit knapp zwei Stunden ein wenig zäh und länglich geraten – und über das beschränkte Frauenbild, das nur die Alternativen Mutter oder herzlose Hexe zu kennen scheint, kann man sich genauso wundern wie über Senioren, die korrektes Maskentragen in einem Raum voller Kinder offenbar für überflüssig halten –, vor allem dank des famosen Ensembles (allen voran das Trio Fischnaller Wachtler, Baumgartner und Engelhardt) aber doch unterhaltsames Theater für Kinder ab sechs. (Andrea Heinz, 22.2.2022)