"Ich will das nicht anziiiiiieheeen!" – "Doch, du musst!": Das ist nur eine von vielen Diskussionen, die sich in Familien morgens abspielen.

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Der Tee schmeckt fad, auf dem Brot ist zu viel Butter, der Schal kratzt: In vielen Familien spielen sich wegen solcher Dinge morgens regelrechte Dramen ab. Wenn dann auch noch das Kuscheltier nicht auffindbar ist, kann es schon einmal zum Eklat kommen. Den Eltern reißen die Nerven, schließlich hatten sie noch nicht einmal Zeit, ihren Kaffee zu trinken. Wie kann es gelingen, als Familie möglichst entspannt in den Tag zu starten? Wir haben Mütter und Väter gefragt, wie bei ihnen die Hektik ihren Lauf nimmt – und welche Strategien sie entwickelt haben, um ihr zu entkommen.

"Checklisten können helfen"

Wir stehen um 7.11 Uhr auf. Um 7.45 Uhr muss unser Älterer schon in der Schule sein. Seine Schule ist zum Glück gleich hinter dem Haus. Er muss auch nicht über die Straße gehen und ist auch immer mit anderen unterwegs. Unser Baby schläft um sieben noch. Daher müssen wir anderen, wenn wir uns fertig machen, auf Zehenspitzen durch die Wohnung gehen. Weil ja nicht so viel Zeit ist, bereiten wir schon am Vortag alles vor: das Frühstück, die Zahnbürste, die Schultasche.

Verfilzte Haare – üble Laune. Wer kann es den Kindern verübeln?
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Was es zum Frühstück gibt, ist immer unterschiedlich. Manchmal essen wir nur einen Apfel und trinkt dazu Tee. Andere Male ein Joghurt mit Banane, Brötchen oder einen Kuchen vom Abend davor. Wir schauen, dass es immer etwas anderes ist und optimalerweise gesund. In die Jausenbox kommt immer Gemüse – Tomaten, Karotten, Paprika, Gurkenscheiben. Eine Handvoll Nüsse ist auch immer dabei. Mittags isst unser Sohn dann in der Schule. Das Baby bekommt ein Stück Brot oder ein Gemüse. Er liebt auch Quetschis, diese Fruchtpürees, die er sich selbst ausquetschen kann, und Maisflips. Es muss jedenfalls etwas sein, das man mit einem Arm zubereiten kann, da er momentan am liebsten getragen wird.

Wir adaptieren unsere Morgenroutine regelmäßig, schauen immer wieder, wie wir es machen müssen, damit es nicht zu stressig wird. Denn Kinder können einen wirklich an die Grenzen bringen. Manchmal ist unser Großer zehn Minuten im Bad, und wenn er herauskommt, sind die Zähne nicht geputzt, die Haare nicht gebürstet und das Gesicht nicht gewaschen. Dann heißt es durchatmen. Checklisten, damit ja nichts vergessen wird, können helfen. Immer funktionieren sie aber auch nicht, denn gerne wird dann auch mal die ganze Liste vergessen.

Diana und Anis haben ein neun Monate altes Baby und ein Schulkind zu Hause.

"Wir planen ruhige Aktivitäten ein"

Eigentlich war alles gut eingeübt – aber als unser zweites Kind kam, mussten wir wieder zu neuen Routinen finden. Die ersten Wochen nach der Geburt waren wirklich intensiv. Aber inzwischen ist der Kleine vier Monate alt, und ich merke langsam, dass es wieder entspannter wird. Unser Großer wird morgens um sechs herum wach. Dann bekommt er ein Hörbuch, damit er noch im Bett bleibt und nicht aufsteht und seinen kleinen Bruder aufweckt. Danach stehen wir gemeinsam auf, schauen Bücher an, puzzeln, malen oder kleben Sticker ein. Es geht weniger darum, morgens schon etwas Megapädagogisches zu machen, als darum, entspannt in den Tag zu starten. Wir haben bemerkt: Wenn jeder gleich sein Eigenes macht, kommt Unruhe rein. Deshalb planen wir ruhige Spiele und Aktivitäten ein. Der Kleinere findet langsam auch zu einem Rhythmus. Bei Babys pendelt sich das ja erst mit der Zeit ein. Momentan wird er um sieben oder halb acht munter.

Wenn alle wach sind, gibt es Frühstück. Mein Mann richtet meistens ein Brot. Ich frage unseren Älteren, was er haben will. Unter der Woche entscheidet er sich dann meistens für ein Müsli, das er sich auch selber herrichtet. Seit circa einem halben Jahr schmiert er sich auch sein Brot selbst. Seitdem merken wir auch, dass er jeden Tag unterschiedliche Gelüste hat. Was er auch jeden Tag bekommt, ist ein Kakao. Früher hat es immer eine Tasse Milch gegeben. Um kurz vor neun bringe ich ihn in den Kindergarten. Das ist optimal – weil dann schläft auch der Kleine wieder ein, und wir gehen eine große Runde spazieren. Dann ist unser Morgen mehr oder weniger vorbei.

Theresa und ihr Mann Philip sind Eltern von zwei Söhnen. Diese sind vier Monate und vier Jahre alt.

"Wichtig sind 15 Minuten für einen selbst"

Meistens ist es so, dass beim Losgehen die größte Hektik aufkommt. Dann bleibt immer irgendetwas auf der Strecke – in vielen Fällen der Haushalt oder das eigene Frühstück. Unsere jüngere Tochter wacht zwischen halb sieben und sieben Uhr auf. Wir gehen dann mit ihr ins Wohnzimmer. Dort wird sie gewickelt und angezogen, wir spielen ein bisschen mit ihr. Die größere Tochter steht dann gegen halb acht auf. Manchmal müssen wir sie aufwecken. Wir frühstücken ausgiebig – einen Toast, ein Butterbrot, Müsli und Obst. Je nachdem, was der Kühlschrank gerade hergibt. Dann ist noch kurz Zeit, in der die beiden Kinder spielen können. In dieser Zeit gilt es zu schauen, was noch im Haushalt zu erledigen ist. Ist der Geschirrspüler fertig? Muss die Wäsche abgehängt werden? Was gibt es aufzuräumen?

Gegen halb neun beginnen wir uns schließlich anzuziehen. Das dauert meistens etwas länger. Denn entweder passt die Haube nicht, oder der Schal kratzt. Die Jüngere ist überhaupt gerade in einer Phase, wo sie sich nur sehr ungern anziehen lässt. Sie ärgert uns auch gerne, indem sie wegläuft, wenn wir losmüssen. Und bei der Älteren gibt es Tage, an denen sie nicht in den Kindergarten will. Zum Schluss will oft eine der beiden dann noch ins Kinderzimmer, um ein Kuscheltier zu holen.

Routine ist also da, trotzdem ist jeder Tag ein bisschen anders. Was wir herausgefunden haben: Wenn man kurz vor den Kindern aufsteht, ist man auch entspannter. Es sind 15 bis 20 Minuten für einen selbst, um einen Kaffee zu trinken oder sich die Zähne zu putzen. Das reicht oft schon aus, um wesentlich entspannter in den Tag zu starten.

Lisa und Daniel haben zwei kleine Töchter, sie sind vier Jahre und ein Jahr alt.