Noch hält die Uefa an dem Plan fest, das Finale der Champions League in der Gazprom-Arena in St. Petersburg steigen zu lassen.

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Wien – Sport und Kultur sind nach Ansicht von Diplomaten Kanäle, die bei politischen Krisen tunlichst erst geschlossen werden sollen, wenn es gar nicht mehr anders geht. Angesichts des russischen Vorgehens im Konflikt um die Ukrainer ringen Sportvereine und -verbände um die richtige Reaktion. Abwarten scheint das Gebot der Stunde zu sein.

Exemplarisch ist die Position des europäischen Fußballverbandes Uefa hinsichtlich der Forderung, Sankt Petersburg das Finale der Champions League (28. Mai) zu entziehen. "Wenn notwendig, wird eine Entscheidung zu gegebener Zeit getroffen", heißt es in der aktuellsten Stellungnahme. Stimmen wie jene des britischen Premiers Boris Johnson, der feststellte, dass nicht in einem Russland gespielt werden dürfe, "das in souveräne Staaten einmarschiert", verhallen. Wie die Uefa will auch der Volleyballverband FIVB, der Ende August eine WM in Russland über die Bühne bringen soll, gegenwärtig die Lage nur genau beobachten.

Ohnehin geht es auf Verbandsebene vorwiegend um die Sicherheit der Sportlerinnen und Sportler. Die sieht der österreichische Skiverband (ÖSV) für sein Skicross-Team, das am Wochenende am Weltcup im Ressort Sun Valley nahe Tscheljabinsk im Ural teilnimmt, derzeit nicht gefährdet. Drei Frauen und sieben Männer des ÖSV trainierten am Mittwoch erstmals vor Ort. "Auch aus den anderen Nationen sind alle nach Russland gereist", sagt Karlheinz Wieser, der zuständige ÖSV-Medienbetreuer.

Schockstarre

Eher in Schockstarre sind Vereine und Verbände, die auf russische Zuwendungen angewiesen sind. Die Formel 1, die am 25. September in Sotschi zu Gast ist, hätte es leichter als etwa Fußballvereine, die von Gazprom alimentiert werden. Der Energiekonzern ist etwa einer der größten Geldgeber der Wiener Austria, die, ohnehin nicht auf Rosen gebettet, noch um eine Position zu den Ereignissen ringt. Beim deutschen Traditionsklub Schalke 04 zählt Gazprom wie auch bei der Uefa zu den Hauptsponsoren. In Alexander Djukow sitzt der Vorstandschef der Tochtergesellschaft Gazprom Neft gar in der Uefa-Exektive.

Manchester United, stets mit Aeroflot unterwegs, hat immerhin einen anderen Charterflug zum Europacupspiel bei Atlético Madrid gewählt – "einvernehmlich", wie es hieß. An der langjährigen Partnerschaft mit dem russischen Staatsunternehmen wird nicht gerüttelt. (Sigi Lützow, 23.2.2022)