King Hannah aus Liverpool, Bluesrock auf Xanax.

Foto: City Slang

King Hannah – I’m Not Sorry, I Was Just Being Me

Mit dem Albumtitel I’m Not Sorry, I Was Just Being Me hat das Liverpooler Mann-Frau-Duo King Hannah das inhaltliche Programm im Wesentlichen umrissen. Es geht um The Moods I Get In. Mit Gitarre und Schlagzeug (und ein wenig fremder Hilfe von Gastmusikern) in guter alter Bluesrock-Tradition minimalistisch ausgestattet, klingt das allerdings nicht wie die zigste Neuauflage der White Stripes. Eher schon erinnern die zähen, apathischen und im Fiebertraum eingespielten Songs an eine PJ Harvey, die gegen ihre Angstzustände ein wenig zu viel Xanax eingenommen hat. Bedrückend, aber gut.

King Hannah

Hurray For The Riff Raff – Life On Earth

Alynda Lee Segarra, die New Yorkerin mit puerto-ricanischen Wurzeln, bezeichnet ihre Musik als "Nature Punk". Mit ihren sowohl von Bruce Springsteen als auch zeitgenössischem Latinopop beeinflussten Songs entwirft sie als Hurray for the Riff Raff leichtfüßigen wie zart pathetischen Pop, der auch amerikanisches Formatradio der 1980er-Jahre, etwa von Fleetwood Mac oder The Cars, mitdenkt. Das Album Life on Earth dreht sich um Natursymbolik, die eine Welt in der Krise beschreibt. Das Herz ist voll, es geht auch um Flüchtlingsproblematik und häusliche Gewalt. Die US-Kritik ist begeistert.

Hurray for the Riff Raff

Pan American – The Patience Fader

Mark Nelson spielte einst schon mit dem Trio Labradford ruhige, atmosphärische (Instrumental-)Musik zwischen meditativem Wohlklang, Ambient und harscheren Lärmschüben ein. Mit Pan American produziert der Gitarrist unter Beigabe von zarter und nebelverhangener Elektronik ähnliche Stücke. Allerdings wurde nun auch auf The Patience Fader der zur Meditation einladende Wohlfühlanteil entschieden erhöht. In harten Zeiten wie diesen darf man weltlich angehauchte Esoteriksounds durchaus gelten lassen. Nennen wir es einfach Sitzriesen-Yoga mit verhallter E-Gitarre.

Pan•American

(schach, 1.3.2022)