An die 900.000 Haushalte heizen in Österreich mit Erdgas. Es gibt Alternativen – von Fernwärme bis Wärmepumpe und Pelletöfen. Die Umrüstung dauert aber und ist nicht zum Nulltarif zu haben.

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Bisher hat es an Gas nie wirklich gemangelt. Mit dem Einmarsch Russlands in der Ukraine und vielen gebrochenen Versprechen ist das Vertrauen in die Moskauer Führung auf einem Tiefpunkt. Deshalb und weil man in der EU ohnehin, wenn auch erst längerfristig, aus dem Gas aussteigen will – Stichwort Klimawandel, sieht man sich nun nach Alternativen um. Erstes Ziel ist es, die Abhängigkeit Europas von russischen Gaslieferungen zu reduzieren, zweites Ziel, die Dekarbonisierung voranzutreiben.

Frage: Kommt noch genügend Gas in Österreich an?

Antwort: Zumindest zu Wochenbeginn war der Gasfluss aus Russland durch die Ukraine nach Österreich unverändert, verglichen mit den Tagen davor. Das heißt aber nicht, dass sich daran nicht etwas ändern kann.

Frage: Weil die Gefahr besteht, dass Russland den Gashahn zudreht?

Antwort: Das ist eine der Befürchtungen, auch weil sich durch die Abkopplung Russlands vom internationalen Finanzsystem Probleme bei der Bezahlung des gelieferten Gases auftun könnten. Zudem ist immer die Gefahr gegeben, dass Pipelines durch Kampfhandlungen beschädigt oder durch Sabotage gezielt außer Betrieb gesetzt werden.

Frage: Was hieße das für Haushalte und Industrie in Österreich?

Antwort: Österreich bezieht 80 Prozent des im Inland benötigten Gases aus Russland, zehn Prozent kommt aus Norwegen, fünf Prozent in etwa aus Deutschland, wobei es sich da auch zum allergrößten Teil um norwegisches bzw. russisches Erdgas handelt, der Rest kommt von anderswo her. Kurzfristig könnte man Lieferausfälle verkraften, wird in dem dafür zuständigen Klimaministerium betont. Haushalte hätten nichts zu befürchten.

Frage: Warum?

Antwort: Für Haushalte gibt es eine spezielle Sorgfaltspflicht. Bevor Haushalten Einschränkungen ins Haus stehen, müssen Industriebetriebe freiwillig, wenn notwendig auch per Verordnung der zuständigen Ministerin Leonore Gewessler (Grüne), ihre Produktion einschränken. Die restliche Heizperiode sei mit dem noch in Speichern gebunkerten Gas, Importen aus anderen Ländern und der Eigenerzeugung in Österreich jedenfalls gesichert.

Frage: Wie groß ist die Eigenproduktion von Gas in Österreich?

Antwort: Die Inlandsproduktion geht laufend zurück. Waren es 2017 noch an die 1,2 Milliarden Kubikmeter Erdgas, die in Österreich aus dem Boden geholt werden konnten, sind es laut den letzten verfügbaren Zahlen 2020 nur noch 0,7 Milliarden Kubikmeter gewesen. Das entspricht etwa neun Prozent des gesamten Gasverbrauchs in Österreich.

Frage: Wie viele Haushalte heizen denn noch mit Gas?

Antwort: In Österreich sind in Häusern und Wohnungen noch an die 900.000 Gasheizungen installiert, anteilsmäßig sind das 23 Prozent. Klar vorn liegt die Fernwärme mit 30 Prozent, wobei auch hier im Winter zum Teil Gas dazugefeuert wird. Holz (17 Prozent), Heizöl (13 Prozent) und Wärmepumpen (elf Prozent) folgen auf den Plätzen.

Frage: Wo wird hauptsächlich mit Gas geheizt?

Antwort: Mit Abstand am meisten in Wien. In der Bundeshauptstadt allein sind 440.000 Gasheizungen installiert, das ist fast jede zweite und hat damit zu tun, dass das Gasnetz entlang des Hauptstrangs von der slowakischen Grenze kommend bis an die bayerische Grenze am dichtesten ausgebaut ist. So hängen etwa auch 28 Prozent der Haushalte in Niederösterreich und 16 Prozent in Oberösterreich am Gashahn, in Kärnten und Tirol aber nur drei beziehungsweise zehn Prozent.

Frage: Welche Alternativen gibt es zur Gasheizung?

Antwort: Das hängt davon ab, wo man wohnt und wie gut das Haus gedämmt ist. Wo es einen Fernwärmeanschluss gibt, kann das eine Alternative sein, auch wenn man sich gewärtig sein muss, den Anbieter dann nicht mehr, zumindest nicht mehr so einfach wechseln zu können, wie das bei Gas der Fall ist. Für manche kann ein Pelletskessel die Lösung sein, für andere Erdwärme, sofern das Haus gut isoliert ist.

Frage: Und in der Stadt?

Antwort: Wien Energie hat im Herbst einen Masterplan vorgelegt, wie die Dekarbonisierung umgesetzt werden soll. Fernwärme bzw. Fernkälte, wo immer das möglich ist, aber auch Wärmepumpen auf dem Dach als Ersatz für die gewohnte Gastherme im Haus. Und wo sonst nichts geht: Biogas. Dazu ein starker Ausbau von Photovoltaik, die laut einem im Herbst gemessenen Stimmungsbarometer die beliebteste erneuerbare Energieform der Österreicher und Österreicherinnen ist.

Frage: Wie geht es weiter?

Antwort: Die Energieminister und Energieministerinnen der EU haben sich Montagnachmittag in Brüssel über die aktuelle Situation ausgetauscht und Alternativen zu russischem Gas diskutiert. Am Dienstag tritt in Wien erstmals der Energielenkungsausschuss zusammen und wird Szenarien für Österreich besprechen. (Günther Strobl, 1.3.2022)