Mit zwei Twitter-Accounts macht Jack Sweeney einfach nachverfolgbar, wohin russische Regierungsmaschinen und verschiedene Oligarchen fliegen.

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Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine hat eine Reihe westlicher Sanktionen gegen den Aggressor nach sich gezogen. Ein Fokus liegt dabei auch auf den sogenannten Oligarchen, also reichen Großunternehmern und Industriellen, die den autokratischen Staatschef Wladimir Putin bei seiner "Vermögensverwaltung" helfen und immer wieder zur kurzfristigen Finanzierung politischer Projekte beitragen sollen.

Zu dem Kreis jener Personen werden auch einige Namen gezählt, die man auch in unseren Breitengraden ganz gut kennt – beispielsweise Roman Abramowitsch, Besitzer des englischen Premier-League-Fußballklubs Chelsea FC, der mittlerweile einen Verkauf des Vereins erwägen soll.

Bewegungen mit Aussagekraft

Die Reichen im Umfeld Putins und der Machthaber selbst sind nun auch ins Visier eines Onlineprojekts geraten. Zwei automatisierte Twitter-Accounts haben damit begonnen, die Routen von Flugzeugen und Hubschraubern, die in ihrem Besitz stehen, öffentlich nachzuverfolgen.

Das Konto "RUOligarchJets" verlautbart dabei, wie der Name bereits vermuten lässt, neue Bewegungen von Oligarchenflugzeugen. "PutinJet" fokussiert sich hingegen auf Regierungsflüge sowie bekannte russische Persönlichkeiten abseits der Unternehmerschaft. Das Tracking erfolgt auf Basis einer Liste mit den Fluggeräten der verschiedenen Personen und ihren offiziellen Registrierungen über die öffentliche Live-Datenbank ADS-B Exchange.

Das kann auch zum Erkenntnisgewinn genutzt werden. Wohin die Oligarchen fliegen, bietet potenziell und in Kombination mit anderen Daten Aufschluss darüber, wie sie in Anbetracht der Sanktionen gegen Russland ihre Vermögenswerte verschieben. Zu diesen zählen freilich auch die Flugzeuge und Hubschrauber selbst.

Betreiber bekannt durch "ElonJet"

Der Betreiber der zwei Twitter-Bots ist nicht ganz unbekannt. Es handelt sich um den 19-jährigen US-Amerikaner Jack Sweeney, der durch den Account "ElonJet" bereits einige Aufmerksamkeit erfahren hat. Dieser dient ausschließlich dazu, die Flugreisen von Tesla-Chef Elon Musk nachzuverfolgen.

Der Techmanager zeigte sich von dem Projekt weniger angetan und bot Sweeney 5.000 Dollar für die Abschaltung des Twitter-Bots. Sweeney schlug das Angebot aus und forderte die zehnfache Summe. Da der "ElonJet"-Account weiter aktiv ist, dürfte der Gegenvorschlag für Musk wohl zu hoch ausgefallen sein.

Derweil wird debattiert, ob der Fokus auf Oligarchen – auch US-Präsident Joe Biden nahm in seiner "State of the Union"-Ansprache auf sie Bezug – tatsächlich so zielführend ist wie erhofft. Kritiker argumentieren, dass die Unternehmer und Industriellen zwar immer wieder finanziell zur Verwirklichung politischer Kurzzeitprojekte beitragen. Dies täten sie aber hauptsächlich zur Selbstabsicherung, ohne aber Einfluss auf die Entscheidungen des Kreml zu haben. Sinnvoller wäre es gemäß dieser Logik, gezielt Abgeordnete der Duma und andere Träger des politischen Systems zu sanktionieren. (gpi, 2.3.2022)