Das enorme geothermale Potenzial zeigen Naturphänomene wie Geysire in Island.

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Auf der Suche nach nachhaltiger erneuerbarer Energie könnte Geothermie den Schlüssel für eine echte Wende bedeuten. Schon jetzt werden heiße Quellen in mehreren Tausend Metern Tiefe angezapft, um Haushalte mit Warmwasser oder umgewandeltem Strom zu versorgen. Auch die Stadt Wien hat zuletzt angekündigt, ein Heißwasservorkommen in 3.000 Meter Tiefe nutzen zu wollen, das sich über mehrere Quadratkilometer von Donaustadt bis Simmering erstreckt. Bis zu 125.000 Haushalte könnten künftig durch das 100 Grad heiße Wasser versorgt werden.

Energie aus zehn Kilometer Tiefe

Weitaus tiefer hinaus will das US-Start-up Quaise Energy, das 2018 von Forschenden des Plasma Science and Fusion Center des MIT gegründet worden ist. Die Vision: Wenn man in bisher unerreichte Tiefen von zehn bis 20 Kilometer vorstoßen und die dort herrschenden Hitzereservoirs für die Energieversorgung nutzen könnte, wäre damit eines der dringendsten Probleme der Erde gelöst. In der Praxis wurden derart tiefe Bohrungen allerdings noch nie durchgeführt – und schon gar nicht für eine geothermische Nutzung.

Denn herkömmliche Bohrgeräte tun sich mit der zunehmenden Hitze und dem herrschenden Druck ab einigen Kilometern Tiefe äußerst schwer. Deshalb will das Unternehmen neben rotierenden Bohrköpfen für die weicheren oberen Gesteinsschichten hochfrequente Mikrowellentechnologie für die tiefer liegende Erdkruste einsetzen.

Mit diesem fokussierten "Energiestrahl", der Assoziationen an "Star Trek" und andere Science-Fiction-Produktionen auslöst, soll das Material pulverisiert bzw. geschmolzen werden, um so relativ schnell in Tiefen jenseits von zehn Kilometern zu gelangen. Lediglich 100 Tage soll ein Vorstoß in 20 Kilometer Tiefe dauern.

Bestehende Infrastruktur nutzen

Derartige Löcher würden sich auf der ganzen Welt anbieten und im Gegensatz zu riesigen Solarparks und Windanlagen eine kompakte Alternative zu bestehender nachhaltiger Energieerzeugung sein, ist das Unternehmen überzeugt. Als weiteren Vorteil führt das Unternehmen an, dass etwa bestehende Kohlekraftwerke umgerüstet werden könnten und so vorhandene Infrastruktur genutzt werden könnte.

Ob das Start-up, das gerade weitere 40 Millionen Dollar Finanzierungskapital aufstellen konnte, seine hochgesteckten Ziele erfüllen kann, sollte sich in zwei Jahren zeigen. Zweifel gibt es vor allem hinsichtlich der notwendigen Energie, die für so einen hochfrequenten Strahl notwendig ist, und der Übertragungsverluste aufgrund der Hitze und des Drucks. 2024 will das Forschungsteam ein funktionierendes System bereitstellen. Einen kommerziellen Einsatz sieht Quaise ab 2026 vor. (step, 3.3.2022)