Gerüstet für den Ernstfall: Familie Zwingl ist auf einen Blackout vorbereitet, inklusive eigener Funkanlage.

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Supermarkt bietet Blackout-Vorsorge an.

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Batteriebetriebene Notfallradios, Lebensmittelvorräte, Campingkocher, notwendige Medikamente, Wasserflaschen, Kerzen, Taschenlampen: Es ist eine lange Liste von Gegenständen, mit denen sich Menschen eindecken für den Ernstfall. Sie wollen gerüstet sein, wenn ein Blackout kommt, also ein großflächiger und länger andauernder Stromausfall.

... Und nichts geht mehr

Für den ORF-Schauplatz Blackout – Plötzlich ohne Strom, zu sehen am Donnerstag um 21.05 Uhr in ORF 2, war Reporterin Kim Kadlec in Österreich unterwegs und hat mit Experten über diese mögliche Bedrohung gesprochen. Und mit Menschen, die sich akribisch auf eine solche Krisensituation vorbereiten. "Viele Leute haben die Blackout-Gefahr überhaupt noch nicht realisiert. Das ist schon heftig. Denn im Fall des Falles ist in einer Sekunde das Licht aus, und nichts geht mehr", sagt Barbara Zwingl.

Sie lebt in Neulengbach, ihre Familie könnte sich mehrere Wochen lang selbst mit Strom, Wärme und Nahrung versorgen. Alle Familienmitglieder sind auch ausgebildete Funkamateure, immer wieder proben sie für den Ernstfall. "Wir haben schon länger Menschen begleitet, die sich auf Krisenszenarien vorbereiten. Vor einigen Jahren war das eine sehr spitze Zielgruppe, eine Art Szene, die sich ausgetauscht hat über Stromaggregate und dergleichen. Das Phänomen hat jetzt eine Breite bekommen, die es vor einigen Jahren noch nicht gab. Wir wollten uns anschauen, warum das so ist", sagt Schauplatz-Reporterin Kadlec zum STANDARD.

Das Geschäft mit der Angst

Auch Handelsketten haben das Geschäft mit der Angst vor einem Stromausfall entdeckt. Supermärkte werben mit "Blackout"-Produkten, bieten eigene Checklisten zur Krisenvorbereitung an. "Es gibt natürlich Menschen, die davon profitieren", so Kadlec. "Das ist bei allen gesellschaftlichen Phänomenen so. Wenn es eine breitere Zielgruppe gibt, dann gibt es immer eine Art Professionalisierung und Kommerzialisierung." Es sei jedenfalls klug, sich Gedanken darüber zu machen, was man wirklich benötigt, und sich nicht aus einer Emotion heraus Dinge zu kaufen, die man weder bedienen kann noch im Fall eines Blackouts tatsächlich braucht.

Diametrale Einschätzungen

Darüber, wie wahrscheinlich ein solches Krisenszenario ist, gehen die Meinungen auseinander. Kadlec: "Das Bundesheer sagt, in den nächsten fünf Jahren. Die Strom- und Gasregulierungsbehörde E-Control sieht keine Anzeichen, die auf eine höhere Wahrscheinlichkeit hinweisen würden. Ich finde es interessant, diese Expertisen gegenüberzustellen. Die Einschätzungen, ob ein Blackout stattfindet, gehen diametral auseinander. Es geht auch diametral auseinander, wie die Krise dann aussieht, wenn sie kommt. Ich kann diese Meinungen in der Sendung gegenüberstellen, aber ich kann sie natürlich nicht auflösen."

Bereits ab der zweiten oder dritten Nacht könnten "im urbanen Bereich unangenehme Situationen eintreten", sagt ein Vertreter des Bundesheers. Er verweist auf mögliche Beschaffungskriminalität, das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung sei beeinträchtigt. Er erinnert an die Versorgungskrise an Tankstellen in Großbritannien und daran, dass die Menschen sich dort um Sprit gestritten haben. Nach drei Tagen könnte es die Präsenz von Militär und Polizei erfordern, sagt er.

Nicht werten

"Ich versuche in meinen Reportagen nicht zu werten, es gibt unterschiedliche Ideen, wie Gesellschaft funktioniert. Während die einen sich damit beschäftigen, wie wir uns in einem Krisenfall verteidigen können, gibt es die anderen, die sich fragen, wie sie alle rundherum mitversorgen können", sagt Kadlec. In Bodental in Kärnten hat diese Nachbarschaftshilfe funktioniert, 2018 ist dort tagelang der Strom ausgefallen. "Es hat den Ort zusammengeschweißt", erzählt eine Verkäuferin. (Astrid Ebenführer, 3.3.2022)