Unterföhring – ProSiebenSat.1 hat 2021 mit einem starken TV-Werbegeschäft einen Rekordumsatz erwirtschaftet und zeigt sich auch für das laufende Jahr optimistisch. Der Krieg in der Ukraine habe bis jetzt keine großen Auswirkungen auf die Werbebuchungen, sagte Vorstandschef Rainer Beaujean am Donnerstag in Unterföhring bei München. Allerdings werde der geplante Börsengang des Datingportals Parship-Meet erst einmal auf Eis gelegt. In Österreich gehören Puls4 und ATV zu ProSiebenSat1.

Der Investor General Atlantic will seinen 43-Prozent-Anteil an Parship-Meet an die Börse bringen, ProSiebenSat.1 will weiter die Mehrheit behalten. Man sei startklar, aber im derzeitigen Marktumfeld mache der Börsengang keinen Sinn, sagte Beaujean: "Wir müssen abwarten. Wir fahren auf Sicht."

Deutschlands größter TV-Konzern hat seinen Umsatz im vergangenen Jahr um 11 Prozent auf 4,5 Mrd. Euro gesteigert. Das Werbegeschäft habe sich stärker und schneller von der Pandemie erholt als erwartet, sagte Finanzvorstand Ralf Gierig. Der Betriebsgewinn der Entertainment-Sparte legte um 19 Prozent auf knapp 700 Mio. Euro zu und trug damit den Löwenanteil zum Betriebsgewinn des Konzerns von insgesamt 840 Mio. Euro bei. Der Konzernüberschuss lag mit 362 Mio. Euro zwei Drittel über dem Vorjahreswert.

Werbeerlöse sollen stabil bleiben

Im laufenden Jahr will der Vorstand den Umsatz leicht auf 4,6 Mrd. Euro steigern und Betriebsergebnis sowie Gewinn des vergangenen Jahres wieder erreichen oder leicht steigern. Die Werbeerlöse sollten mindestens stabil bleiben, sagte Beaujean.

Nach der Hauptversammlung im Mai sollen die Aktionäre die Hälfte des Gewinns als Dividende ausgeschüttet bekommen. Neuer Aufsichtsratschef von ProSiebenSat.1 soll der ehemalige Axel-Springer-Vorstand Andreas Wiele werden. Ob Silvio Berlusconis Mediaset-Konzern als größter Aktionär mit 24 Prozent der Anteile auf der Hauptversammlung mit eigenen Leuten in den Aufsichtsrat einziehen will, ist offen.

Beaujean steht einer von Mediaset angestrebten engen Zusammenarbeit im Fernsehgeschäft sehr skeptisch gegenüber. Berlusconis Media for Europe sei in Sachen Kooperation bisher nicht an ProSiebenSat.1 herangetreten, sagte er. ProSiebenSat.1 wolle sich auf das TV-Geschäft in Deutschland, Österreich und der Schweiz konzentrieren, lokale Inhalte ausbauen und über klassisches Fernsehen und neue Kanäle wie die werbefinanzierte Streaming-Plattform Joyn breit austrahlen. Für Zusammenarbeit bei Technik und der internationalen Expansion von Online-Shops und Plattformen sei er aber offen. "Wir führen jegliches Gespräch ergebnisoffen", sagte Beaujean.

Zur Aussage des RTL-Chefs Thomas Rabe, RTL und ProSiebenSat.1 würden sich früher oder später "annähern", sagte Beaujean, es gebe keine Gespräche darüber. Das sei auch medienrechtlich gar nicht möglich. (APA, dpa, 3.3.2022)