Der Airport Kiew-Gostomel, ein internationaler Frachtflughafen etwa 20 Kilometer nordwestlich von Kiew, geriet bereits zu Beginn der Kämpfe in den Fokus.

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"An dem Tag, als der Krieg ausbrach, waren wir zu Hause und schliefen, denn es war 5 Uhr morgens. Wir wollten unsere Kinder in den Kindergarten schicken und zur Arbeit gehen. Aber wir wurden von lauten Explosionen geweckt.

Ich habe Zwillinge: einen Buben und ein Mädchen. Sie sind am 1. Februar fünf Jahre alt geworden. Wir haben versucht, sie von diesen Nachrichten fernzuhalten, aber sie haben die Explosionen gehört und das Feuer am Flughafen Hostomel von unserem Fenster aus gesehen. Danach sagte mein Sohn, er wolle nicht mehr nach Hause kommen, weil er Angst vor Explosionen habe.

Im Moment bin ich mit meiner Familie nicht weit von Kiew. Wir sind jetzt an einem sicheren Ort, sodass unser Tagesablauf mehr oder weniger normal aussieht. Kinder füttern, etwas zu essen besorgen, Nachrichten abrufen, Freunde kontaktieren und einigen Freiwilligenorganisationen helfen. Im Moment haben wir alles, was wir brauchen. Das Wichtigste: Wir sind in Sicherheit, und niemand bombardiert uns.

Schwierige Versorgungslage

Aber es wird jeden Tag schwieriger, etwas zu essen zu bekommen. Die Geschäfte sind leer, und wir versuchen einige Bauern zu finden, um von ihnen Lebensmittel zu bekommen. In den letzten Tagen gab es ein paar Feueralarme und ein paar Explosionen, die aber ziemlich weit weg waren. Es war die richtige Entscheidung, aus der Stadt wegzugehen.

Fast alle meine Freunde sind in Sicherheit. Ein Freund wurde während der Schießerei in den ersten Tagen verletzt. Er ist jetzt im Krankenhaus. Der Rest ist irgendwo in der Ukraine, einige von ihnen sind ins Ausland gegangen. Es ist jetzt eine schwere Zeit, aber wir sind alle jeden Tag in Kontakt. Und Gott sei Dank sind alle am Leben.

Sobald die Bombardierungen und Schießereien aufhören und eine Art Frieden einkehrt, planen wir, in unsere Heimat zurückzukehren. Und hoffentlich zu unserem normalen Leben zurückkehren. Aber bis jetzt sind diese Pläne noch ungewiss.

Es ist wichtig, dass wir unsere Geschichten mit anderen Menschen in Europa teilen. In den russischen Medien wird so viel gelogen. Aber die Menschen müssen die Wahrheit von denen erfahren, die es selbst erlebt haben." (Protokoll: Manuela Honsig-Erlenburg, 3.3.2022)