Als Kernregion ist Russland für die OMV laut der Aussendung nun Geschichte.

Foto: REUTERS/Heinz-Peter Bader

Wien – Der Angriff Russlands auf die Ukraine lässt auch den teilstaatlichen österreichischen Ölkonzern OMV seine Russland-Strategie überdenken. In Russland werde es künftig keine Investitionen mehr geben, die 24,99-Prozent-Beteiligung am Erdgasfeld Juschno Russkoje (auf Deutsch "Süd-Russisches") werde "strategisch überprüft", heißt es in einer Aussendung am Samstagabend nach einem Vorstandsbeschluss: "Diese Überprüfung beinhaltet alle Optionen einschließlich Möglichkeiten einer Veräußerung oder Ausstiegs". Zuletzt hatte der ehemalige OMV-Chef Gerhard Roiss "Putin-Versteher" hierzulande stark kritisiert und gemeint, die starke Abhängigkeit von russischem Gas hätte verhindert werden können.

Die OMV muss durch diese Entscheidung 500 bis 800 Millionen Euro abschreiben. "Diese nicht liquiditätswirksame Wertanpassung wird das berichtete Operative Ergebnis im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres belasten", heißt es in einer Aussendung. Die OMV reduziere damit ihr Netto-Anlagevermögen in Russland auf rund zwei Prozent ihres gesamten Sachanlagevermögens und ihrer at-equity bewerteten Beteiligungen.

Fast eine Milliarde Euro Abschreibung wegen Nord Stream 2

Dazu kommt eine weitere Abschreibung von fast einer Milliarden Euro wegen der Pipeline-Gesellschaft Nord Stream 2. Die OMV war an deren Finanzierung beteiligt, die Pipeline dürfte nun aber nicht in Betrieb genommen werden. Die OMV nehme "wegen der erwarteten Uneinbringlichkeit der Forderungen gegenüber der Nord Stream 2 AG eine Wertanpassung in Höhe von 987 Millionen Euro (Ausleihung plus Zinsabgrenzung, Stand 31. Dezember 2021) vor". Die nicht liquiditätswirksame Wertanpassung werde das Ergebnis vor Steuern im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres belasten.

Russland ist für OMV keine Kernregion mehr

Bisher war Russland eine Kernregion im Portfolio von Exploration & Production. Nun habe der OMV Vorstand entschieden, in Russland zukünftig keine Investitionen mehr zu verfolgen, heißt es in der Aussendung.

"Der Krieg in der Ukraine ist eine tragische und bedrohliche Situation, die für viele Menschen großes Leid bedeutet und die uns sehr betroffen macht. Unser tiefes Mitgefühl gilt allen Menschen, die direkt und indirekt Opfer des russischen Militärschlages sind. Wir fordern ein sofortiges Ende aller Kampfhandlungen. Nur im Frieden kann es Freiheit und Wohlstand geben", so Alfred Stern, Vorstandsvorsitzender und Generaldirektor der OMV in der Aussendung.

Bereits Anfang der Woche hatte die OMV angekündigt, alle Verhandlungen mit Gazprom über den Erwerb einer 24,98% Beteiligung an den Blöcken 4A/5A der Achimov-Formation des Urengoi-Erdgas- und Kondensatfelds zu beenden. Die zugrundeliegende Vereinbarung vom 3. Oktober 2018 wurde gekündigt. (APA, 5.3.2022)