Bild nicht mehr verfügbar.

Thomas Tuchel: "Das ist nicht der richtige Moment dafür."

Foto: REUTERS/Craig Brough

Karl Schranz ist Wladimir Putin seit zwei Jahrzehnten in Freundschaft verbunden, die Aggression gegen die Ukraine verurteilt der ehemalige Skistar allerdings "auf das Schärfste. Niemand kann das Töten von Zivilisten in der Ukraine gutheißen, und das habe ich in meinem privaten Umfeld auch klar dargelegt. Das Leid der Menschen dort und der Geflüchteten ist unvorstellbar", heißt es in einer Aussendung der PR-Agentur, die den 83-Jährigen betreut.

Anonyme Drohungen

Dass es neun Tage brauchte, um öffentlich Stellung zu nehmen, sei anonymen Drohungen gegen den dreimaligen Weltmeister und dessen Familie geschuldet. Schranz: "Ich fordere Präsident Putin auf, mit der völkerrechtswidrigen, von ihm sogenannten ‚militärischen Operation‘ und den Falschinformationen sofort aufzuhören und die Unabhängigkeit der Ukraine als eigenständiger Staat zu respektieren."

Unzählige noch aktive Sportlerinnen und Sportler demonstrierten am Wochenende ihre Solidarität mit der Ukraine, da und dort wurde allerdings auch für Russland Partei ergriffen. Für regelrechte Empörung sorgte der russische Turner Ivan Kuliak, der beim Weltcup in Doha zwar als neutraler Sportler anzutreten hatte, bei seiner Ehrung für Platz drei am Barren auf der Brust allerdings das Z trug, das auch die russischen Invasionstruppen auf ihre Fahrzeuge gepinselt haben.

Den Sieg am Barren holte sich übrigens der Ukrainer Illia Kovtun, der gefasst neben Kuliak auf dem Podest stand. Ähnliches wird ihm in nächster Zeit nicht wieder zugemutet. Ab heute gilt das auch vom internationalen Turnverband verhängte Startverbot für russische und weißrussische Aktive.

Seit dem Wochenende ist auch fix, dass die Formel 1 am 20. März in Bahrain ohne russische Beteiligung in die neue Saison startet. Das Team Haas trennte sich von Fahrer Nikita Masepin und Hauptsponsor Uralkali. Miteigentümer des Bergbauunternehmens ist Masepins Vater Dmitri. Die Formel 1 hatte bereits zuvor den Grand Prix von Russland in diesem Jahr abgesagt. Zudem wurde der Standort komplett aus dem Kalender gestrichen.

Einem prominenteren Geldgeber aus dem Oligarchenkreis wird offenbar in der Anhängerschaft des Fußballklubs Chelsea nachgetrauert. Während einer Solidaritätskundgebung für die Ukraine vor dem Premier-League-Spiel zwischen Burnley und den Londonern am Samstag wurde im Sektor der Londoner Fans nach Roman Abramowitsch gerufen. Der angeblich Putin nahestehende Milliardär hatte angekündigt, den Verein zu verkaufen und den Erlös für humanitäre Hilfe in der Ukraine zur Verfügung zu stellen. Abramowitsch, der von der britischen Regierung noch nicht sanktioniert wurde, hatte Chelsea 2003 übernommen. Im Vorjahr erfreute ihn sein Steckenpferd mit dem zweiten Champions-League-Titel. Anzunehmen ist, dass sich Abramowitsch auch über Chelseas 4:0 in Burnley gefreut hat. Gar nicht froh war Coach Thomas Tuchel über die Provokation der Fans. "Es ist der Moment, um Respekt zu zeigen", sagte der Deutsche.

Paralympischer Zufall

Keine öffentliche Verurteilung des Krieges in Europa ist wohl bei den Paralympischen Spielen in Peking erwünscht, bei denen das ukrainische Team bereits drei Goldmedaillen gewann. Während der Übertragung der Eröffnung am Freitag war die Übersetzung ins Chinesische just in dem Moment gestört, in dem Andrew Parsons, der Präsident des Internationalen Paralympischen Komitees, energisch die Einhaltung des olympischen Friedens gefordert und Krieg verurteilt hatte. (red, 6.3.2022)