Geschwisterkinder können das RS-Virus auf Säuglinge übertragen.

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Schnupfen und Trinkbeschwerden – so beginnt bei Säuglingen häufig eine Infektion mit dem RS-Virus. Für Erwachsene völlig ungefährlich, kann eine Infektion für Babys schnell lebensbedrohlich werden. Verschlechtert sich der Gesundheitszustand nach ungefähr drei Tagen, sollten Eltern aufmerksam werden. Wenn hohes Fieber dazukommt, die Babys kraftlos wirken und Atembeschwerden, gepaart mit rasselndem Husten, auftreten, kann sogar ein Krankenhausaufenthalt nötig sein. Der Grund: RS-Viren befallen vor allem die unteren Atemwege, dadurch kann eine Bronchiolitis oder Lungenentzündung entstehen.

In diesem Winter mussten mehr Säuglinge aufgrund einer RSV-Infektion in Spitälern behandelt werden als in den vergangenen Jahren. Eine genaue Erklärung dafür gibt es noch nicht, aber eine These: Durch die Corona-bedingten Lockdowns und Hygienemaßnahmen ist die Bevölkerung im Vorjahr weniger oder gar nicht mit dem Virus in Kontakt gekommen – eine größere Anfälligkeit für eine Infektion in diesem Winter war die Folge.

Andocken und Abwehren

Jetzt verspricht erstmals ein Medikament prophylaktischen Schutz vor RS-Viren für alle Babys. Eine aktuelle Studie, die im "New England Journal of Medicine" erschienen ist, zeigt: Der monoklonale Antikörper Nirsevimab bietet eine gute Abwehr gegen schwere Erkrankungen durch das RS-Virus. Bei monoklonalen Antikörpern handelt es sich um im Labor entwickelte Proteine, die an bestimmte Krankheitserreger andocken und dabei helfen, diese abzuwehren. Ersten Ergebnissen zufolge bietet Nirsevimab nach nur einer Dosis einen 74,5-prozentigen Schutz vor einer Infektion mit RS-Viren.

In der Medizin werden monoklonare Antikörper bereits vielfältig eingesetzt und sind auch in der RS-Viren-Prophylaxe nicht neu. Ein ähnliches Präparat, das auf der gleichen Technologie basiert und einer Infektion mit RS-Viren vorbeugen soll, wird bereits verabreicht. Allerdings braucht es hier noch fünf Injektionen statt einer, und weil die Kosten für dieses Medikament sehr hoch sind, wird es derzeit nur Hochrisikokindern wie etwa Frühchen gegeben. Mit dem neuen Präparat Nirsevimab soll der Zugang für alle Säuglinge ermöglicht werden.

Weitere Studien nötig

Bisher war für gesunde Säuglinge eine RSV-Prophylaxe nicht möglich. Johannes Liese, Leiter der pädiatrischen Infektiologie und Immunologie am Universitätsklinikum Würzburg, bestätigt: "Die Ergebnisse sind bedeutsam und belegen die Wirksamkeit einer Prophylaxe mit Nirsevimab gegen RSV-Atemwegsinfektionen vor allem bei Säuglingen im ersten Lebenshalbjahr, eine Infektionskrankheit, gegen die bisher bei gesunden Säuglingen keine effektive Prophylaxe oder Therapie zugelassen ist."

Für eine Zulassung des Medikaments sind aber noch weitere Studien nötig. "Für eine validierte Bewertung reichen die vorliegenden Daten noch nicht aus", sagt der Experte. Außerdem fehlen noch Erkenntnisse, ob Nirsevimab auch schwere Verläufe einer Infektion mit RS-Viren reduzieren kann. Der Immunologe betont: "Es werden wesentlich größere Studien benötigt, um sicher zu belegen, dass das Medikament auch wirksam ist." (Jasmin Altrock, 8.3.2022)