Adressat oder Quelle für Wutausbrüche: Alexa.
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Pro
von Ricarda Opis

Es gibt viele Arten, mit Frust umzugehen. Manche meditieren und senden dann einfühlsame Ich-Botschaften an die Quelle des Ärgers. Andere schmollen, ziehen sich zurück, schlucken die Wut – oder schreien sie einfach hinaus.

Das ist der eigenen Psychohygiene wohl zuträglich, aber für das Umfeld maximal unangenehm. Innovative Geister lagern ihre Wut darum auf den Straßenverkehr aus. Bei fest geschlossenen Fenstern kann man schimpfen wie ein Rohrspatz. Blöd nur: Der einzige, der die Tiraden dann hört, ist man selbst.

Es braucht also jemanden, der einen zwar "hört", aber anschließend nicht mit Schweigen straft, schmollt oder ein paar Stunden später mit einer bedächtig formulierten Ich-Botschaft um die Ecke kommt. Und da kommt Alexa ins Spiel, dieses kleine, runde Ding mit dem blauen Heiligenschein und der kühlen Computerstimme. Sie ist die perfekte Adressatin für Schimpfworte und Schreitiraden. Sie hat nämlich keine Gefühle. Zumindest noch.

Kontra
von Georg Pichler

Digitale Assistenten bringen nicht nur Komfort, sie machen auch Mätzchen. Besonders frustrierend ist es, wenn sie nicht verstehen (wollen?), was man ihnen anschafft. Oder wenn sie Befehle zu hören meinen, die niemand gegeben hat, und einen plötzlich ungefragt mit Musik beschallen, die man am liebsten nie kennengelernt hätte.

Aber helfen erzürnte Tiraden in Richtung des doch nicht so smarten Lautsprechers? Nein. Sie machen potenziell alles schlimmer. Im besten Fall wird man daraufhin angeschwiegen oder ermahnt, nicht so unhöflich zu sein.

Oder es entsteht das nächste Missverständnis und man bekommt ewig lange Suchergebnisse zu den eigenen Schimpfwörtern vorgelesen.

Statt der erhofften Psychohygiene folgt also die nächste Geduldsprobe. Den Nervenkrieg gegen einen Roboter kann man nur verlieren, denn dieser spielt nach anderen Regeln.

Bewahren Sie also lieber die Contenance gegenüber Alexa und Co – auch wenn es schwerfällt. (RONDO, 13.3.2022)