Die Problematiken des "Distance Learnings" sind längst nicht alle gelöst.

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Die aufgrund der Covid-19-Pandemie erfolgte Umstellung vieler Prüfungen auf Online-Formate hat an den Hochschulen auch zu neuartigen Problemen geführt. Das zeigt der Tätigkeitsbericht der Ombudsstelle für Studierende, der am morgigen Mittwoch im Wissenschaftsausschuss des Nationalrats behandelt wird. Unter anderem regt die Ombudsstelle die flächendeckende Einführung elektronischer Studierendenausweise an.

"Gerade bei großen schriftlichen elektronischen Prüfungen ist es für hochschulische Bildungseinrichtungen administrativ schwierig, die Identität der jeweiligen Studierenden eindeutig festzustellen", heißt es im Bericht. Seit der Umstellung auf Online-Lehre und Prüfungen im Sommersemester 2020 seien vermehrt diesbezügliche Anliegen an die Stelle herangetragen worden, die zwischen Studierenden und Hochschulen vermitteln soll.

Die Schummelfrage

Aber auch das Thema Schummeln bei elektronischen Prüfungen stand im Mittelpunkt von Anfragen. Wer dabei erwischt wird, verliert im Regelfall den entsprechenden Prüfungsantritt – allerdings können Studenten nicht überall entsprechende Rechtsmittel dagegen ergreifen. Die Ombudsstelle verweist dabei auf das Vorbild der Uni Wien, die einen Rechtsschutzpassus in ihre Satzung aufgenommen hat. Studierende können dort die Löschung des Prüfungsantritts beantragen und sich bei Ablehnung beim Bundesverwaltungsgericht beschweren.

Ein anderes Beispiel aus dem Tätigkeitsbericht zeigt wiederum, dass auch das in der Praxis unter Umständen nicht viel bringt. In diesem Fall wurden drei Studierende, die eine Online-Prüfung positiv absolviert hatten, verdächtigt, gemeinschaftlich geschummelt zu haben. Der Prüfer befragte (wie in der Satzung vorgesehen) daraufhin am selben bzw. am nächsten Tag die drei, um die Prüfung auch zu validieren. Dabei verfestigte sich dessen Eindruck. Ergebnis: Statt der positiven Noten gab es einen "Schummelvermerk" – wogegen die Studierenden Rechtsmittel ergriffen.

Problem: Sie waren ganz offenbar keine Einzelfälle. Bis zum letzten Prüfungstermin im Semester war daher mit keiner Entscheidung zu rechnen. "Aufgrund der hohen Anzahl an Rechtsmittelverfahren aufgrund von Löschungsanträgen bei digitalen Prüfungen verzögerten sich die Entscheidungen", heißt es im Bericht.

Risikofaktor Präsenz

Andere Anliegen der Studierenden betrafen dagegen Präsenzprüfungen: Viele Studenten beschwerten sich bei der Ombudsstelle auch, dass an einer Universität Prüfungen trotz hoher Infektionszahlen vor Ort stattfanden. Die Uni verwies als Reaktion zunächst auf hohe Sicherheitsmaßnahmen (Test- und Maskenpflicht, Abstandsregeln, Lüften), entschied sich aber dann doch für ein Online-Format.

Aber auch umgekehrte Probleme gab es: Eine Beschwerde betraf etwa eine Person, die eine schriftliche Prüfung partout handschriftlich und nicht als "Take Home Exam" via Computer erledigen wollte. Argument: Am Computer dauere dies länger und außerdem sei die Identitätsfeststellung kaum möglich. Der Streit endete damit, dass die betroffene Person einen Antrag auf Aufhebung der Prüfung wegen eines Mangels in der Durchführung stellte, der wiederum negativ beschieden wurde. Dagegen wiederum wurden Rechtsmittel ergriffen.

Insgesamt hat die Ombudsstelle 2020/21 837 Anliegen von Studierenden bearbeitet. Das ist etwas mehr als im ersten von der Corona-Pandemie betroffenen Studienjahr 2019/20 (805) und fast doppelt so viel wie im letzten vor der Pandemie (2018/19: 478). (APA, 8.3.22)