Unbekannter Kopfschmerz? Weicht der Schmerz von den gewohnten Mustern ab, könnte das ein Hinweis auf ein anderes Problem sein.

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Es pocht, es hämmert, manchmal ist einem auch schwindlig oder sogar speiübel: Kopfschmerzen. Sie gehören zu den häufigsten gesundheitlichen Leiden, rund 40 Prozent aller Menschen in Österreich sind mehrmals pro Monat davon betroffen. Das Wort Kopfschmerz bezeichnet dabei nur die Symptome, es lässt keine Rückschlüsse auf die Ursache zu.

Tatsächlich sind die Ursachen vielfältig. An den am weitesten verbreiteten Spannungskopfschmerzen leiden etwa 300 von 1000 Menschen, von Migräne sind rund 150 von tausend betroffen. Und am Clusterkopfschmerz laboriert immer noch eine von tausend Personen. Solche Kopfschmerzen können so heftig sein, dass der Gedanke, da könnte eine ernsthafte Krankheit dahinterstecken, nicht weit hergeholt ist.

Doch in den meisten Fällen ist die Befürchtung unbegründet. Natürlich sollte man regelmäßige Kopfschmerzen, Migräneattacken oder Clusterschmerz unbedingt ärztlich abklären lassen. Es gibt effiziente Medikamente dagegen, eine Besserung der Beschwerden kann man auch über den Lebensstil bewirken. Doch diese sogenannten primären Kopfschmerzen – der Schmerz ist das Hauptsymptom, es gibt keine andere strukturelle Erkrankung – sind nicht per se gefährlich, auch wenn sie die Lebensqualität enorm einschränken.

Externer Grund

Anders sieht es bei den sekundären Kopfschmerzen aus. Dabei handelt es sich um symptomatische Kopfschmerzen, die durch eine andere Erkrankung ausgelöst werden. Das kann ein Schädel-Hirn-Trauma sein, ein Tumor im Kopf, eine Gefäßstörung oder auch eine Infektion. Auch psychiatrische Erkrankungen oder Entzugserscheinungen etwa von Alkohol oder Medikamenten können sie auslösen.

In etwa fünf Prozent der Kopfschmerzfälle ist der Grund eine andere und potenziell gefährliche Erkrankung, die man unbedingt abklären sollte. Nur, wie erkennt man, um welchen Kopfschmerz es sich handelt? Die amerikanische Kopfschmerzgesellschaft hat genau dafür die Abkürzung SNOOP erstellt. Jeder Buchstabe steht für spezifische Anzeichen, die Warnhinweise auf ernste Erkrankungen geben. Stellt man eines davon bei sich fest, sollte man umgehend einen Arzt aufsuchen und die Schmerzen abklären lassen:

S für systemische Symptome: Wenn die Kopfschmerzen gemeinsam mit Krankheitszeichen auftreten, die den ganzen Körper betreffen, zum Beispiel hohes Fieber.

N für neurologische Symptome: Betroffene haben gleichzeitig mit dem Kopfschmerz Symptome wie Schwindel, Verwirrtheit, Bewusstseinstrübungen, Sehstörungen, Schwäche oder Taubheit der Extremitäten oder die Unfähigkeit zu sprechen. Das sind übrigens andere Anzeichen als die sogenannte Aura, die oft mit Migräneattacken einhergeht. Diese ist kein besonderes Warnzeichen, obwohl sich die Symptome ähnlich anfühlen können. Auch dabei kann es zu neurologischen Phänomenen wie Sehstörungen kommen, doch sie dauern meist nur kurz und sind oft schon vorbei, wenn der eigentliche Kopfschmerz einsetzt.

O für Onset (auf Deutsch Einsetzen): Wenn der Kopfschmerz explosionsartig einsetzt, als hätte die betroffene Person einen Schlag auf den Kopf bekommen. Man nennt das auch "Donnerschlagkopfschmerz". Der Schmerz erreicht innerhalb einer Minute sein Maximum, das so heftig sein kann, dass Ärzte auch von "Vernichtungskopfschmerz" sprechen. Auslöser dafür sind unter anderem lebensgefährliche Gehirnblutungen, Schlaganfall oder auch Meningitis. Betroffene müssen so schnell wie möglich ins Krankenhaus.

O für Older Age of Onset (höheres Alter beim Beginn): Ist eine Person bereits jenseits der 50 und entwickelt zum ersten Mal sehr starke Kopfschmerzen, gilt es diese unbedingt ärztlich abzuklären. Denn das Risiko für andere Erkrankungen, die sich durch Kopfschmerz zeigen, etwa ein Schlaganfall, ist bei älteren Menschen höher.

P für Pattern Change (Änderung des Kopfschmerz-Musters): Gerade Menschen, die häufiger Kopfschmerz haben, etwa Migränebetroffene oder jene mit regelmäßigem Spannungskopfschmerz, neigen dazu, einem ungewohnten Kopfschmerz keine besondere Bedeutung zuzumessen. Verändert sich aber die Art des Kopfschmerzmusters, sollten sie die veränderten Symptome unbedingt ernst nehmen und ärztlich abklären lassen.

Hinter all diesen diesen Warnzeichen kann eine ganze Reihe von Krankheiten liegen wie plötzlicher Blutdruckanstieg, Hirnhautentzündung, ein Schlaganfall oder ein Aneurysma. Oft treten sie mit Zusatzsymptomen auf, Gehirnhautentzündung etwa ist von Fieber und Nackensteife begleitet, Betroffenen gelingt es nicht, den Kopf bis zur Brust abzusenken. Schlaganfälle werden oft von neurologischen Symptomen wie einseitiger Lähmung oder undeutlicher Artikulation begleitet. In solchen Fällen sollte man sofort den Notdienst verständigen.

Die Furcht vieler Kopfschmerzbetroffenen, dass es sich um einen Gehirntumor handelt, ist jedoch in den allermeisten Fällen unbegründet. Nur bei 0,1 Prozent aller Kopfschmerzpatienten ist ein Karzinom die Ursache. Aber gerade um solche Ängste zu nehmen, ist es so wichtig, Schmerzen abzuklären. Und: Je früher man die Ursache erkannt hat, desto schneller und besser ist eine Heilung möglich. (Pia Kruckenhauser, 9. März 2022)