Wer geimpft und genesen ist, kann schon mal den Überblick über die nächste Corona-Impfung verlieren.

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Noch vor der Booster-Impfung hat es einige erwischt – nach zwei Impfungen haben sich in der vierten Welle viele mit der Delta-Variante infiziert, und das machte den dritten Stich für diese Personengruppe erst einmal hinfällig. Bis jetzt. Denn so langsam neigen sich die sechs Monate, die die Genesung für den grünen Pass gültig ist, dem Ende zu. Die derzeit gültige Regel besagt: 180 Tage nach dem letzten immunologischen Ereignis, egal ob Impfung oder Infektion, muss eine Auffrischungsimpfung erfolgen.

Nun ist aber mit Omikron eine Variante aufgetreten, die eine Anpassung des Impfstoffes erforderlich macht. Und das lässt nun bei vielen die Frage aufkommen, ob man auf diesen warten sollte. Markus Zeitlinger, Pharmakologe an der Med-Uni Wien, empfiehlt ein Abwarten allerdings nicht: "Die dritte Teilimpfung sollte nicht hinausgezögert werden. Wir wissen noch nicht, wann der angepasste Omikron-Impfstoff auf den Markt kommt, und wir wissen auch nicht, welche Variante im Herbst bei uns vorherrschen wird."

Angepasster Impfstoff

Wann der neue Impfstoff zugelassen wird, ist also noch unklar. Im Jänner wurden bereits die ersten Studien dazu durchgeführt, die Ergebnisse werden für Ende März erwartet. Zeitlinger vermutet: "Es ist möglich, dass die Impfstoffe bereits Anfang Mai verfügbar sind." Ein Warten darauf empfiehlt der Experte trotzdem nicht, denn: "Es wird nicht sofort unbegrenzt viel Impfstoff zur Verfügung stehen." Im ersten Schritt werden voraussichtlich die vulnerablen Gruppen wie Ältere oder immunsupprimierte Menschen sowie medizinisches Personal ihren vierten Stich mit dem angepassten Impfstoff bekommen.

Wie wichtig der vierte Stich für die ältere Bevölkerung ist, bestätigt eine Studie der Universität Marburg. Die Forscherinnen und Forscher konnten nachweisen, dass ältere Personen nach der zweiten Impfung nur sehr wenig bis gar keine Antikörper bilden konnten. Erst nach dem dritten Stich war die Antikörperzahl so hoch wie bei jüngeren Personen nach der zweiten Impfung. Demnach könnte bei der älteren Bevölkerung erst die vierte Impfung ähnliche Effekte erzielen wie die Booster-Impfung bei jungen Personen, so die Vermutung.

Kommt der vierte Stich?

Ob und wann der vierte Stich für alle kommen wird, ist noch unklar. Das Nationale Impfgremium (NIG) empfiehlt bei immunkompetenten Menschen derzeit keine vierte Impfung. Bei Menschen mit einem schwachen Immunsystem, bei Älteren und bei Personen in Gesundheitsberufen wird der vierte Stich 180 Tage nach dem Booster oder nach einer Genesung empfohlen. Für alle gilt: Wichtig ist die Grundimmunisierung mit drei Impfungen, egal ob dazwischen eine Ansteckung mit Corona stattgefunden hat oder nicht. Nur dann ist man vor einem schweren Verlauf gut geschützt.

Wie es mit den Impfungen weitergehen wird, hat auch viel damit zu tun, wie sich das Coronavirus verhalten wird. Pharmakologe Zeitlinger sagt: "Wir wissen einfach nicht, welche Mutation im Herbst vorherrschen wird." Wobei eine Rückkehr der Delta-Variante eher unwahrscheinlich sein dürfte, Omikron ist mittlerweile einfach zu weit verbreitet. Wahrscheinlicher ist, dass Omikron weiter mutiert und wir es mit einer neuen Subvariante davon zu tun bekommen. (Jasmin Altrock, 9.3.2022)