Das Gedrängel am Flughafen Wien hat mit der Corona-Krise deutlich nachgelassen. Das gilt auch für Billigairlines, die in der größten Krise der Airlinebranche nach dem überhitzten Auflauf im Rekordjahr 2019 zurückgesteckt oder die Fahnen gestrichen haben. Die IAG-Tochter Level war eines der ersten Opfer in Wien und machte den Laden gleich ganz dicht. Easyjet zieht sich dem Vernehmen nach Ende März aus Wien zurück, Eurowings fliegt ohnehin auf Sparflamme ab Wien, und die ungarische Wizz Air hat ihr Angebot zuletzt kräftig zurückgestutzt.

Wizz Air, die noch im vergangenen Herbst von optimistischen Plänen in Wien berichtete, zog zuletzt zwei Maschinen ab. Das Wizz-Air-Management hat die Niederlassung in der heimischen Hauptstadt schon länger nicht mehr medienwirksam mit seiner Anwesenheit beehrt. Anders hält es Michael O’Leary, Chef des irischen Billigfliegers Ryanair. O’Leary präsentierte am Mittwoch gewohnt selbstbewusst seine Pläne für den Hauptstadtflughafen.

Ryanair-Chef Michael O’Leary klagt in Wien einmal mehr lautstark über staatliche Förderungen für die AUA.
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Zuallererst: Es wird wieder rekrutiert. Anfang kommender Woche soll es offene Türen für Bewerber und Bewerberinnen geben. 50 neue Flugbegleiter und Flugbegleiterinnen werden gesucht. Der Personalstand in Schwechat soll damit auf 600 Beschäftigte anwachsen, die bei der Leiharbeiterfirma Crewlink "teilweise angestellt" werden sollen, wie Laudamotion-Chef Andreas Gruber sagt. Probleme gebe es bei der Personalsuche nicht, beteuert Michael O’Leary. Kritik von Ryanair-Piloten in einer Umfrage der Pilotenvereinigung European Cockpit Association an den Arbeitsbedingungen ficht den Iren nicht an.

Auch nicht der Umstand, dass Ryanair in Wien seit dem Einstieg vor drei Jahren kein Geld verdient habe. "Wir haben auch keine riesigen Beträge verloren", so der Konzernboss. Wien sei einer der am schnellsten wachsenden Flughäfen aus Sicht von Ryanair.

Im kommenden Geschäftsjahr will der Billigfliegerriese in Wien 6,4 Millionen Passagiere transportieren – das Flughafenmanagement rechnet heuer in Wien mit 17 Millionen Fluggästen. O’Leary bleibt dabei: Ryanair will sich mit den Töchtern Buzz, Laudamotion und Malta Air ein gutes Stück vom Kuchen abschneiden und strebt einen Marktanteil von 20 bis 25 Prozent an. Derzeit liegt er bei 17 Prozent.

Auf Augenhöhe mit der AUA

Die Ziele setzt sich der Airline-Chef gewohnt hoch. Im Zuge des Wachstums wäre er enttäuscht, wenn nicht in zwei bis drei Jahren 30 Flugzeuge in Wien stationiert wären – derzeit sind es 19 Maschinen. In drei bis vier Jahren rechnet er damit, in Wien auf Augenhöhe mit der AUA zu sein. Vorbei dürfte mit den gestiegenen Treibstoffpreisen bald die Zeit der ultrabilligen Tickets um rund fünf Euro sein. Ryanair wirbt mit Billigangeboten um 19,99 Euro pro Flug inklusive Ticketsteuer von zwölf Euro.

Die Reihen bei den Billigfliegern in Wien haben sich zuletzt deutlich gelichtet.
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Für das kommende Jahr sieht sich Ryanair im Vorteil, weil man 80 Prozent des Treibstoffbedarfs bis März 2023 mit 65 Dollar je Barrel abgesichert habe und diesen Vorteil auch an die Flugwilligen weitergeben könne. O’Leary rechnet damit, dass große Netzwerkcarrier wie AUA und die Mutter Lufthansa in Kürze Treibstoffzuschläge für ihre Tickets ankündigen werden. Die Ticketpreise könnten im Schnitt um 15 bis 20 Prozent steigen.

Unter anderem aus Kostengründen will O’Leary auch an der Marke Lauda festhalten. Das Umlackieren der Flieger würde Geld kosten. Auch eine Rüge für die Politik hat er parat. Diese würde, statt einen Wachstumsplan für den Tourismus zu entwickeln, die AUA subventionieren. Das bedeute, nur "noch mehr Geld durch die Lufthansa-Toilette hinunterzuspülen". Nach zwei Jahren mit rund zwei Mrd. Euro an Verlusten rechnet O’Leary heuer für die Ryanair-Gruppe wieder mit Gewinn. (Regina Bruckner, 10.3.2022)