WKO-Chef Mahrer fordert von Vizekanzler Kogler eine öffentliche Entschuldigung.

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Wien – Die EU-Kommission hat ein ambitioniertes Ziel vorgeschlagen, um die Abhängigkeit von Russland von Energielieferungen zu verringern. Dafür sollen die Mitgliedsländer ihre Nachfrage nach russischem Gas bereits in diesem Jahr um zwei Drittel reduzieren. Viele stellen sich deswegen die Frage, wie sich das ausgehen soll.

WKO-Chef Harald Mahrer schlug deswegen vor, die CO2-Bepreisung, die ab Anfang Juli in Kraft treten soll, für ein bis zwei Jahre zu verschieben: "Die Rahmenbedingungen sind anders als vergangenen Sommer, die Energiepreise sind extrem gestiegen", sagt Mahrer im Ö1-"Morgenjournal" am Mittwoch. Die Abfederungsmaßnahmen seien nicht ausverhandelt, und darüber müsse man sprechen. "Die Grünen wollten von Abfederungen nichts wissen und sie vom Tisch wischen." Zu diesen Abfederungen zählt etwa der Klimabonus.

"Roter Teppich mit Schleimspur"

Mahrer schießt bewusst scharf gegen die Grünen, genauer gegen deren Vizekanzler Werner Kogler. Dieser hatte der Wirtschaftskammer vorgeworfen, für Österreichs Abhängigkeit von Öl und Gas aus Russland mitverantwortlich zu sein und dem russischen Präsidenten Wladimir Putin "einen roten Teppich mit Schleimspur" ausgerollt zu haben.

Österreich importiert rund 80 Prozent seines Erdgases aus Russland. Diese Abhängigkeit ist laut Mahrer historisch gewachsen. "Nach dem Ölpreisschock wollte man weg vom Öl und schloss die ersten großen Gasverträge mit den Russen ab", sagt Mahrer.

"Lernen S' ein bisserl Geschichte", richtet er Kogler weiters aus und bezieht sich damit auf ein legendäres Zitat von Ex-Bundeskanzler Bruno Kreisky. Mahrer forderte mehrmals eine öffentliche Entschuldigung von Kogler.

Anderer Energiemix

"Der Weg in Richtung Energietransformation ist eingeschlagen, und daran rüttelt auch niemand", sagt Mahrer. Österreich habe sich gegen Atomenergie entschieden, man sei "Nummer eins bei erneuerbaren Energien". Deswegen sei hier der Energiemix anders als in anderen Ländern. Die enormen Preissteigerungen ließen sich mit dem Status quo nicht ausreichend abfedern. "Unternehmen und Haushalte können das nicht einfach schlucken." Man gebe das Problem direkt an den Markt weiter. (and, 9.3.2022)