In Ägypten ist der Brotpreis schon vor dem Ukraine-Krieg um 50 Prozent gestiegen. Jetzt wird weiteres Preiswachstum befürchtet.

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Der Krieg in der Ukraine wirkt sich auf immer katastrophalere Weise auf die weltweite Ernährungslage aus. Fachleute weisen schon jetzt auf stark steigende Preise von Lebensmitteln hin. Vor allem betrifft das den Weizen, dessen weltweite Exporte zu fast einem Drittel aus der Ukraine und Russland stammen, und dessen Weltmarktpreis seit Kriegsausbruch um 50 Prozent in die Höhe geschnellt ist.

Vor allem für Menschen, die auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen sind, ist das eine lebensgefährliche Entwicklung. Das Welternährungsprogramm der Uno (WFP) hat bisher die Hälfte seiner Güter aus der russisch-ukrainischen Kornkammer bezogen, um sie an 120 Millionen Menschen, vorwiegend Afrikaner, zu verteilen. Doch wegen der Pandemie, zunehmender Dürreperioden und Kriegen sind nach Angaben des UN-Werks inzwischen fast 300 Millionen Menschen auf Hilfe angewiesen. "Gerade, als wir dachten, es könne nicht schlimmer kommen, brach in der Ukraine der Krieg aus", klagt WFP-Chef David Beasley.

Hungernden Essen wegnehmen

Im Jemen musste das Hilfswerk trotz der wachsenden Not nun seine Rationen reduzieren. "Wir haben keine andere Wahl, als unsere Hilfe den Hungernden zu nehmen, um sie den Verhungernden zukommen zu lassen", klagt Beasley. Seit Beginn des Jahres haben acht Millionen Jemeniten mit halben Rationen auszukommen. Auch in Afrika nimmt die Zahl der Hilfsbedürftigen drastisch zu: Allein am Horn von Afrika sind nach UN-Angaben derzeit mehr als 13 Millionen Menschen auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen.

Putins Krieg wirkt sich auf das Welternährungsprogramm gleich in mehrfacher Weise aus. Einerseits wird die Ernte deutlich geringer oder sogar ganz ausfallen: Im März muss in der Ukraine eigentlich ausgesät werden, was derzeit vielerorts ausgeschlossen ist – die Preise werden steigen. Zugleich ist bei den Spenden ein Rückgang zu erwarten, weil Staaten wie Deutschland ihre Verteidigungsausgaben erhöhen. Und dabei hat sich das Hilfswerk jetzt noch um einen neuen Fall zu kümmern: In den Anliegerstaaten der Ukraine werden bis zu fünf Millionen Flüchtlinge erwartet – und später jene, die noch in der Ukraine sind.

Kommende Unruhen

Nordafrika ist wegen seines Klimas in besonderer Weise auf Weizenimporte aus Russland und der Ukraine angewiesen, von wo etwa Ägypten 85 Prozent seines Bedarfs bezieht. Schon vor der Krise in Osteuropa war der Brotpreis dort binnen weniger Monate um 50 Prozent in die Höhe geschnellt. Jetzt hat Kairo für die kommenden drei Monate sämtliche Nahrungsmittelexporte untersagt. Das heizt die Panik nur noch weiter an. Fachleute sehen bereits Unruhen voraus: In Marokko ist es schon jetzt zu vereinzelten Hunger-Protesten gekommen, in Tunesien wackelt der Stuhl des Autokraten Kaïs Saïed, und im Sudan haben die Militärmachthaber erhöhte Brotpreise noch mehr als die wöchentlichen Massenproteste für die Demokratie zu fürchten.

Eine Studie der Welternährungsorganisation FAO soll zu alarmierenden Ergebnissen gekommen sein. Doch der chinesische Generalsekretär des UN-Hilfswerks, Qu Dongyu, hält nach Informationen des Spiegel deren Veröffentlichung zurück. China hamstert derweil selbst. Das Land hat seit Kriegsbeginn in der Ukraine 30 Schiffsladungen an Mais und Sojabohnen in den USA eingekauft. Man wolle die Preise nicht durch Alarmberichte weiter in die Höhe treiben, mutmaßt der Spiegel. (Johannes Dieterich aus Johannesburg, 11.3.2022)