DER STANDARD und die Presse sind die mit Abstand relevantesten der von Studierenden konsumierten Printprodukte. Die Internetkommunikation läuft primär über Whatsapp und Instagram.

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Bereits jeder vierte österreichische Jugendliche zwischen 18 und 25 Jahren studiert an einer Universität oder Fachhochschule. Über 50 Prozent von ihnen kommen aus Akademikerfamilien, lediglich vier Prozent aus Familien, in denen die Eltern ausschließlich Pflichtschulabschluss haben. Das alte Bild der vererbten Bildung steht also noch. Dennoch gerät die Bildungselite aufgrund der ständig steigenden Anzahl an akademischen Abschlüssen immer mehr unter Druck. Vor allem in den Geistes- und Sozialwissenschaften werden die Auswirkungen der "Überproduktionskrise" auch am Arbeitsmarkt deutlich, interpretiert Bernhard Heinzlmayer (tfactory) seine aktuelle Jugendstudie. Die Berufseinkommen würden sinken, und es ist deutlich schwerer geworden, einen Job zu finden.

Zur politischen Orientierung findet die Studie: Wären nächsten Sonntag Wahlen, würden zwei Drittel der Stimmen an SPÖ, Grüne und Neos gehen, und die KPÖ würde, wenn auch knapp, den Einzug in den Nationalrat schaffen.

30 Prozent der Studierenden sind demnach der Gruppe der Leistungsorientierten zuzuzählen, 25 Prozent sind gemeinschaftsorientiert. Zwölf Prozent sind Hedonisten, die sich primär ein lustbetontes Leben wünschen. Hervorstechend gemeinschaftsorientiert und solidarisch sind die Studierenden der Pädagogischen Hochschulen. Die Gruppe der Leistungsorientierten ist besonders an Universitäten und FHs vertreten. Unter Sozial- und Geisteswissenschaftern sei der Anteil der solidarischen Gemeinschaftsmenschen sehr groß, so Heinzlmaier, recht überschaubar sei sie in der Gruppe der Studierenden der sogenannten MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik). Hier überwiege ein "wettbewerbsorientierter Menschentypus", der leistungsorientiert handelt und optimistisch in die Zukunft blickt.

Leistung und Abgrenzung

Die Ausrichtung auf Studium- und Berufsorientierung ist unter den Leistungsorientierten doppelt so stark wie unter den Gemeinschaftsorientierten. Leistungsorientierte Studierende neigen stärker dazu, Alkoholiker, Corona-Kranke, Politiker und kinderreiche Familien nicht in ihrer Nähe haben zu wollen. Die Politikkritik ist unter gemeinschaftsorientierten Studierenden deutlich größer als unter leistungsorientierten.

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Während 43 Prozent aller 16- bis 29-Jährigen sich die Zukunft der Gesellschaft eher düster vorstellen, sind es bei den Studierenden lediglich 29 Prozent. Daran zeige sich die privilegierte Lage, in der sich Studierende in Österreich im Vergleich zur großen Masse der jungen Österreicher und Österreicherinnen nach wie vor befinden. Während Studierende im Wissen über ihre besseren Startbedingungen optimistisch in die Zukunft blickten, herrsche in weiten Teilen der nichtbildungsprivilegierten Milieus Zukunftsskepsis bis Zukunftsangst. Jugendliche aus unterer und mittleren Bildungsschichten würden dem Staat und den Medien eher reserviert gegenüberstehen, Studierenden dagegen identifizierten sich weitgehend mit den mächtigen Institutionen in Staat und Gesellschaft.

Die Daten ließen den Schluss zu, sagt Heinzlmaier, dass die Bildungsprivilegierten den Staat eher als "ihren Staat" sehen, während er vielen Bildungsarmen als fremde und kalte Macht erscheint. Die Exegese geht noch tiefer in den gesellschaftlichen Zustand: Während fast 40 Prozent aus den mittleren und unteren Bildungsschichten den Medien nicht mehr glauben würden, seien es bei den Hochgebildeten lediglich 22 Prozent. Angst vor sozialen Abstieg und Wohlstandsverlust hätten folglich überwiegend die bildungsarmen Jugendlichen.

Gespalten sind auch die Studis

DER STANDARD und die Presse sind die mit Abstand relevantesten der von Studierenden konsumierten Printprodukte. Die Internetkommunikation läuft primär über Whatsapp und Instagram. Youtube wird stark frequentiert, wenn es um den Konsum bewegter Bilder geht.

"Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die studentische Population ähnlich gespalten ist wie die Gesamtgesellschaft. Auf der einen Seite befinden sich die an die Leistungsgesellschaft angepassten und optimistischen Naturwissenschafter und Techniker, auf der anderen die überwiegend kritischen, solidarischen, politisch engagierten und gemeinschaftsorientierten Studierenden der Sozial- und Geisteswissenschaften." In dieser zweiten Gruppe sei aber auch die Gruppe der Hedonisten, die das Leben primär dem Lustgewinn unterordnen, am stärksten vertreten. Tendenziell, sagt Studienautor Heinzlmaier, scheinen unter Studierenden der MINT-Fächer die Konformisten stärker repräsentiert zu sein, während bei den Sozial- und Geisteswissenschaften die Gesellschaftskritiker und Rebellen dominieren. (Karin Bauer, 12.3.2022)