Im Rahmen einer Studie wurden die Laute von 411 Schweinen analysiert, um sie mit ihrem Gefühlszustand abzugleichen.
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Die Kommunikation zwischen Menschen birgt noch immer schwierig zu ergründende Mysterien – noch weniger ist allerdings darüber bekannt, wie die Sprachen von Tieren zu verstehen sind. Zumindest darüber, wie sich glückliches oder gestresstes Grunzen bei Schweinen anhört, liefert eine aktuelle Studie neue Erkenntnisse: Ein internationales Forschungsteam fand heraus, dass in positiv erlebten Situationen das Grunzen tendenziell kürzer und homogener ausfällt. Negative Erlebnisse hingegen sorgen für größere Schwankungen in Lautstärke, Intensität und Tonlage, verdeutlicht die Arbeit, die im Fachjournal "Scientific Reports" veröffentlicht wurde.

Dass auch der Mensch für solche negativen Erfahrungen sorgt, zeigt die Tatsache, dass diese im Rahmen der Studie etwa bei Schlachtungen und Kastrationen aufgenommen wurden. Kämpfe unter Jungtieren sorgten ebenfalls für Angst und Stress. Beim Herumtoben der Schweine im Freien, dem Kuscheln mit Geschwistern und beim Saugen an mütterlichen Zitzen nahm das Team hingegen glückliche Lautäußerungen auf. Damit wurde ein Algorithmus erstellt, der die Emotionen der Tiere interpretieren soll.

Für Menschen nicht zu hören

Die Daten stammen von 411 Schweinen, mehr als 7.000 Soundaufnahmen kamen zusammen: die meisten aus der Landwirtschaft und von Mastbetrieben, einige auch aus Versuchsgehegen, wo Schweine zum Erforschen Spielzeug und unbekannte Gegenstände vorgelegt bekamen. Das Ergebnis zeigte, dass die Schweine in negativen Situationen höher quietschten. Tiefes Grunzen und bellende Geräusche kamen in verschiedenen Stimmungslagen vor, kurzes Grunzen war ein Indikator für glückliche Schweine.

Für das menschliche Gehör seien die feinen akustischen Unterschiede oft nicht zu hören, sagt eine der Studienautorinnen, Sandra Düpjan vom Forschungsinstitut für Nutztierbiologie in Dummerstorf bei Rostock. Landwirtinnen und Landwirten könne durch den Algorithmus dabei geholfen werden, mehr über das Wohlbefinden ihrer Tiere zu erfahren.

Beitrag zum Tierwohl

Die Tierhalter hätten "viel zu wenig Zeit, sich eine halbe Stunde in den Stall zu stellen und einfach mal zu lauschen, was sie denn da hören", sagt Düpjan. Viele Informationen über die Gefühle der Säugetiere gingen so an ihnen vorbei. Somit gebe es den Wunsch nach unterstützender Technik, die die Gefühlslage der Stalltiere rund um die Uhr beobachte. Auch aus der Politik kämen Forderungen, das Tierwohl zu überwachen und zu dokumentieren, erklärt die Expertin. Der neue Algorithmus biete dafür zahlreiche Möglichkeiten.

Nun brauche es jedoch jemanden, "der den Algorithmus zu einer App weiterentwickelt, die Landwirte nutzen können, um das Wohlergehen ihrer Tiere zu verbessern", sagt Erstautorin Elodie Briefer von der Universität Kopenhagen. Der gut trainierte Algorithmus könne 92 Prozent der Schweinslaute den richtigen Emotionen zuordnen. Mit einem solchen Schweineübersetzer werde auch "ein wichtiger Schritt in Richtung eines verbesserten Tierschutzes für Nutztiere" geschaffen. (red, APA, 11.3.2022)