Die frühere Familienministerin Sophie Karmasin regte 2019 die Gründung eines Vereins an.

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Sehr alt ist er nicht geworden. Im April 2019 wurde der gemeinnützige Verein "Unternehmen Zukunft" in Wien gegründet, seit dem Weltfrauentag am 8. März dieses Jahres liegt er auf Eis. Das liegt an den Ereignissen rund um seine Initiatorin und Geschäftsführerin: Meinungsforscherin Sophie Karmasin. Sie hatte bei mehreren "standortrelevanten Unternehmen" die Gründung der "Initiative" angeregt, die sich der Steigerung der Familien- und Frauenfreundlichkeit widmen wollte.

Am besagten 8. März wurden die Vereinsaktivitäten auf Beschluss des Vorstands ruhend gestellt, nun kümmert sich ein Wiener Rechtsanwalt um die Abwicklung. Zuvor war bekannt geworden, dass der Verein indirekt in die Causa Studien und Umfragen rund um Meinungsforscherin Sabine B. und Karmasin verwickelt ist. B. hat in ihrer Beschuldigteneinvernahme davon berichtet, wie sich Karmasin über den Verein einen Studienauftrag organisiert habe. Geschehen sei das kurz vor der Hausdurchsuchung bei der ehemaligen Familienministerin und bei B. am 6. Oktober 2021.

B. "wütend" über Karmasins Doppelrolle

Was damals geschehen sein soll: B.s Unternehmen Research Affairs habe von der PR-Firma des Vereins eine Anfrage für eine Studie erhalten. Sophie Karmasin habe dann laut B. ein Angebot "vorformuliert", B. dieses abgeschickt. "Kurz darauf erteilte Sophie Karmasin als Geschäftsführerin des genannten Vereins den Auftrag für die Studie an Research Affairs", sagte B., die über Karmasins Doppelrolle "wütend" gewesen sein soll, den Ermittlern der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA).

Davor war Karmasin noch unter eigenem Namen aufgetreten: Ende 2020 hatte der Verein eine Studie zum Thema Homeoffice präsentiert, die offiziell von Karmasin Research & Identity durchgeführt worden war. Damals seien sechs Institute über die PR-Firma des Vereins angeschrieben worden, drei hätten angeboten – darunter auch Sabine B.s Research Affairs und Karmasins Unternehmen. Selbige habe das günstigste Angebot gelegt, Karmasin daher den Auftrag bekommen, erzählen Kenner des Vereins. Ein Compliance-Problem sah man darin offenbar nicht.

Events mit Schramböck und Kocher

Seit der Hausdurchsuchung im Oktober hat der Verein keine außenwirksamen Aktivitäten mehr entfaltet. Zuvor hatte es immer wieder Veranstaltungen mit türkisem Regierungspersonal gegeben, etwa mit Arbeitsminister Martin Kocher und Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck. Die zuletzt acht Mitglieder sind Unternehmen wie die teilstaatliche Casinos Austria AG, ihre Tochter Österreichische Lotterien oder die Post AG. Sie sollen pro Jahr zwischen 5.000 und 10.000 Euro Mitgliedsbeitrag gezahlt haben.

Der Präsident des Vereins, Martin Winkler, war zu keiner Stellungnahme bereit. Bekanntgegeben wurde auf Anfrage nur, dass der Verein ruhend gestellt sei. Karmasin selbst hatte vor den Ermittlern angegeben, keine Meinungsumfragen mehr zu machen. Vorerst bleibt die frühere Familienministerin jedoch in U-Haft. Es gilt die Unschuldsvermutung. (Renate Graber, Fabian Schmid, 11.3.2022)