Jedes neu errichtete Windrad und jede ausgebaute Gastherme helfen über den nächsten Winter, sagt Klimaschutzministerin Gewessler im Hinblick auf die Energieversorgung, die wegen des Ukraine-Kriegs zumindest gefährdet ist.

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"Wir arbeiten mit Hochdruck daran, ein weiteres wirksames und zielgerichtetes Paket auf den Weg zu bringen, um die stark gestiegenen Energiekosten abzufedern", sagte Klimaschutzministerin Leonore Gewessler (Grüne) am Dienstag bei der Präsentation des Jahresprogramms des Klima- und Energiefonds. Einem von Umweltgruppen geforderten Tempo-100-Limit erteilte sie indirekt eine Absage.

"Es stimmt, wenn man langsamer fährt, verbraucht man weniger Benzin und spart damit Kosten. Das ist eine Entscheidung, die jeder und jede von uns treffen kann, und zwar jedes Mal, wenn er oder sie ins Auto steigt. Mir ist aber wichtig, dorthin zu schauen, wo man diese Wahl nicht hat", sagte Gewessler. Dazu zähle etwa die Gasheizung im Mehrparteienhaus, wo Mieter nicht so rasch auf andere Heizsysteme umsteigen könnten, wie sie es wollten.

Weniger Spritverbrauch

Zuvor hatte unter anderem Greenpeace Österreich eine generelle 100er-Beschränkung auf Autobahnen gefordert. Rund zehn Prozent des Treibstoffverbrauchs und der CO2-Emissionen könnten dadurch eingespart werden.

Gas geben will Gewessler hingegen bei der Energiewende – und sieht sich durch die enorm gestiegenen Preise von Öl und insbesondere Gas infolge des russischen Angriffskriegs in der Ukraine darin bestärkt. Kurzfristig – will heißen: bis Anfang kommenden Winters – sei durch Diversifizierung von Lieferanten sicherzustellen, dass die Gasspeicher in Österreich gefüllt sind. Gewessler: "Auch wenn Gazprom (russischer Gasmonopolist, Anm.) zusichert, weiter Gas zu liefern – es ist Krieg, Gazprom ist kein neutraler Marktakteur, wir müssen uns auf alle Szenarien vorbereiten."

Viel Geld für Klimafonds

Nicht zuletzt deshalb ist der Klimafonds, der innovative Projekte von Kommunen, Privatpersonen und Industriebetrieben zur Dekarbonisierung unterstützt, heuer mit einem Rekordbudget von knapp 300 (2021: 217) Millionen Euro ausgestattet worden. Bewährte Programme würden fortgeführt, neue auf den Weg gebracht, sagten die beiden Geschäftsführer des Fonds, Theresia Vogel und Ingmar Höbarth.

Zu den neuen zähle etwa eines, das den Fachkräftemangel adressiert. Um Photovoltaik rasch in der notwendigen Quantität auf die Dächer zu bringen, sind viele zusätzliche Installateure notwendig. Ein Schwerpunkt im Förderprogramm des Fonds soll auch in der Geothermie liegen, wo in Städten wie Wien viel Potenzial gesehen wird. (Günther Strobl, 15.3.2022)