Die Sorge vor Versorgungsengpässen treibt wieder so manche Konsumenten und Konsumentinnen um. Waren es in den vergangenen Monaten Lockdowns und Mangel durch Lieferengpässe, die viele dazu bewegten, sich mit allerlei Konsumgütern einzudecken, kommen jetzt offenbar Befürchtungen dazu, man könnte in den Wintermonaten im Kalten sitzen.

Zumindest lässt der Bedarf an Brennstoffen wie Pellets diese Vermutung aufkommen. So mancher macht neuerdings auf diesem Feld ganz ungewohnte Erfahrungen. Er habe gemäß seinen Einkaufsgewohnheiten bei einem Obi-Baumarkt in Niederösterreich 15 Säcke kaufen wollen, allein das Verkaufspersonal habe ihm beschieden, "Pellets gibt's nur mehr auf Bestellung". Der Mann hakte telefonisch nach. Es handle sich um eine Order aus der Zentrale, bekam er als Erklärung. Pellets nur auf Bestellung und nicht für Laufkundschaft, das gebe es auch bei anderen Baumärkten, etwa bei Hornbach, lautet seine Erkenntnis.

Nicht nur Öl und Gas wurden teurer, auch bei Alternativen wie Pellets steigt der Preis.
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Bei anderen Baumärkten weiß man davon nichts. Zwar herrscht auch bei manchen Filialen in Wien Knappheit oder Ebbe, dort, wo größere Mengen verfügbar sind, sind sie aber problemlos zu erwerben. "So viel Sie wollen", beteuert ein Verkäufer in einer Filiale im Westen Wiens. Christian Rakos, Geschäftsführer vom Branchenverband Pro Pellets, erklärt sich die Engpässe in Baumärkten dadurch, dass diese mit ihren Lieferanten längerfristige Verträge abschließen. Gut möglich, dass die Nachfrage falsch eingeschätzt wurde. Hornbach bestätigt auf Anfrage "Verfügbarkeitsprobleme". Man sei in manchen Filialen schlicht "ausverkauft". Als Gründe werden die weltweit steigende Nachfrage, aber auch Transportprobleme genannt. Die Engpässe sollten aber bald behoben sein, stellt man in Aussicht.

Rasant gestiegene Nachfrage

Tatsächlich sei die Nachfrage nach den Presslingen aus Holzresten rasant gestiegen, sagt Rakos. Erst recht mit der im Ukraine-Krieg hochkochenden Sorge um ausreichend und auch leistbare Energie. "Es gib ein Gefühl der Beunruhigung, die Firmen werden mit Bestellungen überrannt." So mancher Haushalt beginnt offenbar zu horten.

Engpässe bei Pellets an sich – ein Nebenprodukt der Holzverarbeitung – gebe es nicht. Österreich sei Selbstversorger. Die 40 heimischen Produzenten, größere und kleinere Holzverarbeiter, haben im Vorjahr 1,6 Millionen Tonnen gepresst und einen geringen Teil davon exportiert. Heuer werden es 100.000 Tonnen mehr sein. "Wir produzieren auf Hochtouren", sagt Rakos. Auch bei Rohstoffen sieht er keinen Engpass. Holz aus der Ukraine, das derzeit nicht kommt, habe man aus heimischen Beständen kompensiert.

Kräftiger Preisanstieg

Eines habe sich aber zuletzt geändert: "Bis Dezember waren die Preise moderat, im Jänner sind sie um 30 Prozent gestiegen." Wegen der Nachfrage, die angesichts der Energiewende schon im Vorjahr gestiegen ist – und wegen der drastisch gestiegenen Energiekosten, so Rakos: "Der Endkonsument kann sich gar nicht vorstellen, was sich da bei den Produzenten abspielt." Ob die Preise wie eigentlich üblich im April und Mai wieder sinken, bleibt abzuwarten. (Regina Bruckner, 16.3.2022)