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EU-Sanktionen treffen den 55-jährigen Milliardär Roman Abramowitsch.

Foto: AP Photo/Matt Dunham

Die EU verhängt Sanktionen gegen den Eigentümer des englischen Fußballklubs FC Chelsea, Roman Abramowitsch. Seine Vermögenswerte werden eingefroren, er wird nicht mehr einreisen dürfen.

Allerdings dürften Maßnahmen gegen den 55-jährigen Milliardär durch Brüssel nicht so einfach umzusetzen sein. Denn Abramowitsch ist EU-Bürger, was ihm eine gewisse Rechtssicherheit verleiht. Der Oligarch besitzt neben der russischen und israelischen Staatsangehörigkeit seit 2021 auch einen portugiesischen Pass. Das sorgt für Aufregung.

Die portugiesische Justiz ermittelt, ob bei seiner Einbürgerung alles mit rechten Dinge zugegangen ist. In diesem Zusammenhang wurde am Donnerstag in Porto das Büro eines Anwalts durchsucht und der Oberrabbiner der Synagoge, Daniel Litvak, festgenommen, kurz bevor er eine Reise nach Israel antreten konnte. Litvak und weitere Mitglieder der jüdischen Gemeinde in Porto werden unter anderem der Geldwäsche, der Korruption und der Urkundenfälschung in Zusammenhang mit dem Einbürgerungsverfahren verdächtigt.

Blick ins 15. Jahrhundert

Litvak, der nach einem zweistündigen Verhör unter Meldeauflagen und ohne Reisepass auf freien Fuß gesetzt wurde, hatte die Einbürgerung Abramowitschs im Rahmen eines Gesetzes empfohlen, das 2015 in Kraft trat. Es garantiert Nachfahren der im 15. und 16. Jahrhundert von der Iberischen Halbinsel vertriebenen sephardischen Juden das Recht auf Staatsbürgerschaft.

Dass Abramowitsch auf diese Art einen portugiesischen Pass erhalten hat, machte die Zeitung Publico Ende 2021 öffentlich, nachdem kein Geringerer als der russische Regimekritiker Alexej Nawalny darüber auf Twitter geschrieben hatte. Im Lauf des Verfahrens bestätigte die jüdische Gemeinde in Porto Abramowitsch, dass er neben jüdischen Vorfahren aus dem Baltikum auch von der Iberischen Halbinsel stammende sephardische Familie in Belarus hat. Rein historisch ist das möglich.

Abramowitsch soll, wie alle anderen auch, insgesamt 500 Euro Bearbeitungsgebühr bezahlt haben. Publico hingegen behauptet, dass der Oligarch ein neues Holocaustmuseum maßgeblich mitfinanziert habe. Auch Portugals Außenministerium reagierte sofort und beteuerte, dass die Einbürgerung "im Rahmen des Gesetzes" stattgefunden habe. Die Justiz leitete im Jänner dennoch Ermittlungen ein, die jetzt, nach dem Einmarsch der russischen Armee in die Ukraine und der Verhängung von Sanktionen, eine neue Dimension erhalten.(Reiner Wandler aus Madrid, 15.3.2022)