Kein guter Abend.

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Mit bekannten Mätzchen und einem Abwehrriegel wie in besten Zeiten ist Atletico Madrid gegen Manchester United ins Viertelfinale der Fußball-Champions-League eingezogen. Nach dem Aus der "Red Devils" im heimischen "Theatre of Dreams" fiel es den bekannt kritischen Club-Ikonen wie Schuppen von den Augen: Eine Mannschaft, bei der die Einheit über allem steht, kochte eine Auswahl ab.

Atletico reichte nach dem 1:1 ein 1:0 bei einer auch etwas glücklichen Kollektivleistung. Renan Lodi erzielte per Kopf das entscheidende Tor (41.) für die in der Folge einmal mehr abgezockten Spanier. Da half es wenig, dass Ralf Rangnick eine sehr gute erste Hälfte pries. "Wir haben genauso gespielt, wie wir spielen wollten", sagte der United-Trainer, der mit der Destruktivität des Gegner naturgemäß nichts anfangen konnte. Und im Anschluss die Schiedsrichterleitung kritisierte. Immer habe jemand auf dem Boden gelegen, jammerte Rangnick über eine zweite Hälfte und vier Minuten Nachspielzeit als "Witz".

Wehklagen

Im United-Umfeld aber wollte man in das Wehklagen des deutschen Managers nicht einstimmen. Vielmehr wurde die Sehnsucht greifbar nach einem Teil dessen, was Atletico Madrid unter dem seit 2011 werkenden Simeone ausmacht. Eine Einheit zu sein, in der die Spieler machen, was ihr Trainer ihnen sagt. "Dagegen schauen sich bei United alle an und fragen sich: Wer zaubert den magischen Trick aus dem Hut?", meinte Rio Ferdinand.

Ronaldo war es diesmal im Old Trafford auch nicht. Der 37-Jährige schaffte wenige Tage nach seinem Triplepack gegen Tottenham keinen einzigen Torschuss. Zweimal erst – 2003 und 2011 passierte dem Portugiesen das in der Champions League, wie "The Sun" auflistete. "Er war ein Geist, einer von vielen", befand der "Independent". Mit zusammengepressten Lippen verließ Ronaldo den Rasen, erstmals seit zwölf Jahren wird er keine Trophäe gewinnen. Auch im FA- und im Ligacup ist United schon draußen. Zum dritten Mal in Folge scheiterte der Portugiese im Champions-League-Achtelfinale.

Unter Beschuss

Eine andere Club-Ikone, Paul Scholes, nahm nach der Partie den erst seit Dezember im Amt stehenden Rangnick unter Beschuss. "Das Allererste, was dieser Verein tun muss, um auch nur annähernd wieder die Meisterschaft zu gewinnen, ist, einen richtigen Trainer zu finden, der für diese Mannschaft arbeitet", knurrte Scholes. Der frühere Leitwolf befand nach dem 0:1 im Rückspiel sogar: "Wenn Diego Simeone sie trainieren würde, wären sie weitergekommen." Mit großer Überzeugung meinte Scholes: "Wir haben schon viel Schmerz ertragen müssen, und ich denke, es wird noch anhalten, bis wir wieder da sind, wo wir sein wollen."

In Spanien wurde die "Widerstandsübung einer Mannschaft" gelobt, wie Sportzeitung "Mundo Deportivo" urteilte: "Atletico Madrid hat Old Trafford mit einem Tor von Lodi erobert, war aber vor allem Atletico Madrid." Zwar präsentiert sich der Hauptstadt-Club bei weitem nicht so stark wie zwischen 2014 und 2017, doch stellt er noch immer ein Team, gegen das kein Gegner gern im Viertelfinale antreten wird. (APA, 16.3.2022)