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Weil es im Vorjahr Corona-bedingt kaum Gelegenheiten zum Feiern gab, wurden auch viel weniger bunte Partydrogen konsumiert.

Foto: Reuters

Die Lockdowns und die langen Partypausen in der Nachtgastronomie haben auch den Drogenkonsum stark beeinflusst: In ganz Europa wurde im Vorjahr weniger MDMA (Ecstasy) konsumiert. Dafür haben die anderen gängigsten Suchtmittel – Kokain, Cannabis (mit psychoaktivem Wirkstoff THC), Amphetamin (Speed) und Methamphetamin (Crystal Meth) – fast überall zugelegt. Außerdem ist es zu einer gleichmäßigeren Verteilung von Speed und Crystal Meth gekommen. Diese allgemeinen Trends zeigt die europäische Abwasseranalyse, die am Donnerstag von der EU-Drogenbeobachtungsstelle (EMCDDA) in Lissabon veröffentlicht wurde.

75 Städte oder Regionen aus 25 Ländern

Für die Studie wurde das Abwasser in 75 europäischen Städten aus 25 Ländern analysiert, um den Drogenkonsum von insgesamt rund 45 Millionen Menschen zu untersuchen. Die Proben wurden zwischen März und Mai 2021 jeweils eine Woche lang gezogen.

In Österreich lieferten neun Wasserverbände Daten: Hofsteig in Vorarlberg, Strass im Zillertal, Kufstein, Hall-Wattens und Innsbruck in Tirol, die Kärntner Region Millstätter See, Purgstall in Niederösterreich sowie Kapfenberg und Graz in der Steiermark. Wien ist in der Studie nicht vertreten.

Verteilung in Österreich

Aus den österreichischen Daten lässt sich ein West-Ost-Gefälle ableiten: Im Westen des Landes wurde im Vorjahr mehr Kokain pro Kopf konsumiert als im Osten. Nimmt man Südtirol zu den heimischen Daten dazu, hat innerhalb dieser dann zehn Städte Bozen den höchsten Kokainverbrauch. An zweiter Stelle liegt – wie auch schon in der Abwasseranalyse 2020 – Kufstein. Die größten Pro-Kopf-Konsummengen der Wirkstoffe Amphetamin und Methamphetamin ließen sich in Ostösterreich und in Graz beobachten. THC-Cannabis liegt überall an der Spitze.

Der Konsum von Speed und Crystal Meth befinde sich zwar trotz Zunahme noch immer auf niedrigem Niveau, "doch sollte diese Entwicklung im Sinne frühzeitiger Präventionsmaßnahmen im Auge behalten werden", betonte der Studienleiter für Österreich, Herbert Oberacher von der Innsbrucker Gerichtsmedizin.

Crystal Meth auf dem Vormarsch

Dass Methamphetamin, das ursprünglich auf Tschechien und die Slowakei konzentriert war, jetzt überhaupt in Städten in ganz Europa auftaucht, bereitet auch Alexis Goosdeel, dem Direktor der EMCDDA Sorgen. Bei Kokain geht der Trend geografisch in die andere Richtung: Es ist zwar nach wie vor in west- und südeuropäischen Städten am stärksten verbreitet, kommt aber zunehmend in osteuropäischen Städten vor.

Kokain: Antwerpen, St. Gallen und Amsterdam sind in der Liste der 75 untersuchten Städte die Kokain-Hochburgen.

THC-Cannabis: Bei Cannabis liegt Barcelona an der Spitze, weit danach folgen Amsterdam und Ljubljana – in den Daten ist nicht berücksichtigt, ob der Konsum legal oder illegal ist.

Speed: Den höchsten Amphetaminverbrauch gab es laut Abwasseranalyse in Eindhoven, gefolgt von den schwedischen Städten Sandviken und Söderhamn.

Methamphetamin: Crystal Meth wurde in den tschechischen Städten Ostrava, Brno und Budweis in den höchsten Konzentrationen im Abwasser nachgewiesen.

Ecstasy: Bei MDMA wurde die Spurensucher vor allem in Amsterdam, Utrecht und Antwerpen fündig. (Michael Simoner, 17.3.2022)