Brot und Getreideprodukte kosten um sechs Prozent mehr als noch vor einem Jahr.

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Wien – "In der aktuellen Lage haben wir kein Versorgungs-, sondern ein Kostenproblem", sagte Katharina Koßdorff vom WKO-Fachverband der Lebensmittelindustrie bei der Präsentation der Exportdaten österreichischer Agrar- und Lebensmittelprodukte 2021 gemeinsam mit der Agrarmarkt Austria (AMA) am Freitag. Die Versorgung mit Lebensmitteln und Getränken sei in Österreich gesichert, die Lager voll. Kein Grund also für Hamsterkäufe.

Die Lebensmittelindustrie zähle aber zu den energieintensiven Produktionszweigen und sei daher von den hohen Öl- und Gaspreisen besonders betroffen, so Koßdorf. Sie "schlagen sich eins zu eins auf Produktion und Transport um".

Brot und Öl teurer

Schon jetzt müssen Konsumenten für Grundnahrungsmittel tiefer in die Tasche greifen. Brot und Getreideerzeugnisse kosten um rund sechs Prozent, Öle und Fette um fast 13 Prozent mehr als im Februar vergangenen Jahres. Wie stark die Lebensmittelpreise weiter steigen werden, könne man seriös nicht sagen. Nur so viel: Lebensmittelhersteller müssten scharf kalkulieren und partnerschaftliche Gespräche führen. Man stehe vor einer historischen Kostenwelle, die allein nicht zu schultern sei.

Bereits vor der russischen Invasion in der Ukraine habe man mit Teuerungen zu kämpfen gehabt, heißt es bei der WKO. Seit Beginn der Pandemie steigen Energie-, Rohstoff- und Verpackungspreise stetig. Transportkosten hätten sich vervielfacht, hinzu kämen Engpässe bei Paletten, Containern sowie Lkw-Fahrern.

Verknappung am europäischen Markt

Der Krieg verstärkt all diese Effekte und trifft laut Koßdorff auch die österreichische Lebensmittelindustrie. Die Ukraine exportiert neben Getreide auch Soja, Ölsaaten wie Sonnenblumen, Mais und Raps sowie Äpfel und Beeren im großen Stil.

"Aktuell entfallen Agrarlieferungen aus der Ukraine", sagt Koßdorff. Das führe zwar zu keinem Engpass in Österreich, sehr wohl aber zu einer Verknappung von Rohstoffen am europäischen Markt. Dass Ungarn zudem vorläufige Exportbeschränkungen für diverse Agrarwaren erlassen hat, verschärft die Situation zusätzlich. Eine Protestnote an die EU-Kommission sei bereits raus.

Sorge bereitet Lebensmittelproduzenten auch die Erdgasversorgung. Zehn Prozent des gesamten industriellen Jahresverbrauchs gehen auf das Energiekonto der Lebensmittelindustrie. Koßdorff fordert, im Fall einer großen Knappheit neben Haushalten und Stromkraftwerken auch Lebensmittelproduzenten, deren Partnern sowie Zulieferern den nötigen Gasbedarf zu gewähren. Nur so sei die Lebens- und Futtermittelversorgung sicherzustellen.

Ackerbau statt Tierhaltung

Teures Getreide führt zu teurem Futtermittel für die Viehhaltung. Allein die Mastschweinehaltung hat sich laut AMA in den letzten vier Wochen um rund 34 Prozent verteuert. Das bringe die heimische Fleischwarenindustrie massiv unter Druck.

Auf den Vorschlag von Umweltschützern, Viehhaltern eine finanzielle Entschädigung auszuzahlen, damit sie weniger Fleisch, Milch und Eier produzieren und somit mehr Weizen am Markt ist, entgegnet AMA-Geschäftsführer Michael Blass, dass die aktuelle Situation nicht Ausgangspunkt sein könne, um langfristige strukturelle Entscheidungen zu treffen, wiewohl sie Impulse gebe.

Lenkung und Verteilung von Warenströmen etwa würden nach dem Ukraine-Krieg möglicherweise anders diskutiert als in der Vergangenheit. Der Export von Agrar- und Lebensmittelprodukten werde aber auch in Zukunft erfolgreich sein. Laut Blass ist Österreich auf dem Weg zum Nettoexporteur. 2021 stiegen die Ausfuhren um über neun Prozent auf knapp 14 Milliarden Euro. (Julia Beirer, 18.03.2022)