Normal ist seit Ausbruch der Pandemie eigentlich nichts mehr.
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Die Krise als Daily Business – so in etwa fühlt es sich nach zwei Jahren mittlerweile an. Normal ist seit Ausbruch der Pandemie eigentlich nichts mehr wirklich, an manchen Tagen kann man besser damit umgehen, an anderen schlechter. Das hat auch viel mit der eigenen emotionalen Lage und dem Stresspegel zu tun. Geht es einmal nicht so gut, ist es wichtig, Strategien zur Hand zu haben, die einen durch diese Phasen durchtragen. Die lösen zwar das Problem an sich nicht, aber sie helfen, mehr bei den eigenen Bedürfnissen zu bleiben und nicht von außen getrieben zu werden.

Achtsamkeitsübungen

Nein, es geht nicht darum, die Sorgen und Ängste einfach "wegzumeditieren", wie es manche Selbsthilfebücher anregen, das ist auch gar nicht möglich. "Aber Achtsamkeitsübungen helfen, dass sich die eigenen Emotionen nicht verselbstständigen", weiß Sozialpsychologin Eva Jonas. "Die Konzentration auf den Atem beim Meditieren hilft, dass man seine Ängste selbst steuert und nicht von ihnen gesteuert wird." Und es kann eine Art Selbsttrost sein, so wie man eine Freundin oder einen Freund trösten würde. "Man gibt sich dadurch selbst Mitgefühl, und das hilft, Emotionen zu regulieren."

Selbstwahrnehmung fördern

Abseits von Meditation gibt es viele Wege, mit sich selbst besser in Kontakt zu kommen. Das kann Yoga sein, Sport, spazieren gehen oder bergsteigen, aber auch singen, tanzen oder die Musik hören, die einem ein erleichterndes Gefühl gibt. Auch Hobbys, denen man sich intensiv widmet, bringen innere Ruhe. Wichtig ist, dass man die für sich beste Strategie sucht und findet. Das abendliche Glas Wein ist übrigens nicht der richtige Weg. Da ist ab und zu gar nichts dagegen einzuwenden. Aber wenn es der Weg zur Entspannung ist, dann ist das ein Problem.

Auch abseits von Meditation gibt es Wege, mit sich selbst besser in Kontakt zu kommen.
Illustration: Fatih Aydogdu

Bewusste Handyzeiten

Durch das Smartphone ist man permanent mit der Welt in Verbindung, viele greifen als Erstes nach dem Aufstehen und als Letztes vor dem Schlafengehen danach – es kommt zu einer regelrechten Verschmelzung mit dem Handy. "Hier ist es wichtig, sich Räume herauszunehmen, in denen man nicht mit den News konfrontiert ist", betont Medienpsychologe Jörg Matthes. Besonders gefährlich sind in diesem Zusammenhang die sozialen Medien. Denn sie sind ortsunabhängig und beschleunigen dadurch den Informationsprozess weiter. Man muss sich außerdem bewusst sein, dass sie übertriebene Glaubwürdigkeit vorgaukeln. "Hier wird viel persönlich Erlebtes berichtet, man hat das Gefühl, die Person ist wie man selbst, das könnte einen auch treffen. Die Identifikation mit Betroffenen ist deutlich höher als mit Moderatoren oder Expertinnen."

Aktive Teilnahme

Ganz wichtig ist auch, wie man mit Informationen umgeht. Matthes erklärt: "Wir sehen in der Forschung ganz klar, es macht einen großen Unterschied, ob man das Berichtete passiv rezipiert und auf sich einprasseln lässt oder ob man aktiv teilnimmt am Diskurs." Im ersten Lockdown wurde festgestellt: Jene, die die Nachrichten nur verfolgten, fühlten sich dadurch noch schlechter. Wurden die sozialen Medien auch dazu genutzt, sich auszutauschen und die eigenen Ängste zu verbalisieren, gab es durchaus einen positiven psychologischen Effekt: "Es tut gut zu wissen, dass es anderen auch so geht wie einem selbst. Nutzt man die Medien positiv und expressiv, erzeugt das für die Psyche positive Effekte. Dann kann eine Krise auch das Potenzial bieten, daran zu wachsen."

Abgrenzung

Außer mit den eigenen Emotionen muss man oft auch noch mit jenen seiner Mitmenschen umgehen – etwa wenn jemand die eigene Panik vor sich herträgt. Oder wenn, umgekehrt, Bedenken, die man selbst hegt, vom Gegenüber einfach vom Tisch gewischt werden. "Das sind beides unterschiedliche Wege, die eigenen Gefühle wegzuschieben, damit man sich nicht damit auseinandersetzen muss", weiß Psychotherapeutin Monika Spiegel. Hier geht es darum, Grenzen zu setzen, sich weder von der Panik des Gegenübers anstecken zu lassen, noch auf Rüpelhaftigkeit oder Diskussionswut einzusteigen. "Damit ist niemandem geholfen, dann sind zwei in Not. Besser ist, einen kühlen Kopf zu bewahren und dem Gegenüber klarzumachen, dass man die Gefühle versteht und akzeptiert, aber selbst anders fühlt." (Pia Kruckenhause, Anna Giulia Fink, 20.3.2022)