Elwira Nabiullina steht vor der dritten Amtszeit als russische Notenbankchefin.

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Ihre dritte Amtszeit als Chefin der russischen Notenbank dürfte die mit Abstand schwierigste werden. In der tiefen Wirtschafts- und Finanzkrise als Folge des Ukraine-Kriegs will sich Präsident Wladimir Putin die Dienste von Elwira Nabiullina weiterhin sichern und hat die 58-Jährige für eine dritte Amtszeit nominiert. Die Prüfung durch die Abgeordneten der Duma in der nächsten Woche gilt als Formsache.

Mit Nabiullina weiß der Präsident nicht nur eine ehemalige Beraterin und Vertraute auf dieser Position, sondern auch jemanden, der entschlossen gegen Inflation vorgeht und sich das Vertrauen der Finanzmärkte erworben hat. "Jetzt, da die Zentralbank eine stärkere Verantwortung für das Finanzsystem trägt, spricht der Präsident regelmäßig mit Nabiullina", sagte ein Sprecher anlässlich der Nominierung.

Geboren 1963 in Ufa, Hauptstadt der russischen Provinz Baschkortostan, war Nabiullina nach Abschluss eines Wirtschaftsstudiums als Bankerin und im Wirtschaftsministerium tätig. Fünf Jahre lang diente sie als Ministerin für wirtschaftliche Entwicklung, bevor sie Putin 2013 überraschend an die Spitze der russischen Notenbank berief.

Auffällige Broschen

Bekannt ist die verheiratete Mutter eines Sohnes für ihre Auftritte mit auffälligen Broschen – mal ist es eine Taube, mal ein Hufeisen –, mit denen die Notenbankchefin auch Botschaften senden will, wie sie selbst verriet. Nur am Tag nach der Verhängung der Sanktionen durch die USA und die EU trat Nabiullina ohne Schmuck in Schwarz vor die Kameras, der Lage entsprechend.

Mit einer Verdoppelung des Leitzinses auf 20 Prozent und Kapitalkontrollen stemmt sich Nabiullina nun gegen den Wertverlust des Rubels und den Kollaps des Finanzsystems. Dieses steht durch den Ausschluss aus dem Bankensystem Swift und das Sperren der Währungsreserven der Notenbank vor der schwersten Prüfung seit der Rubelkrise des Jahres 1998. Ein Inflationsschub und eine schwere Rezession gelten als unvermeidlich. Rufe nach tieferen Zinsen von Oligarchen oder dem Wirtschaftsministerium sollten bei Nabiullina dennoch weiterhin abperlen.

Wohl kann sie noch über jene 132 Milliarden Dollar verfügen, die als Goldreserven im eigenen Land gelagert sind. Dafür muss sich aber jemand finden, der es unter der Hand und gegen einen Preisabschlag auch erwerben will – und damit riskiert, sich den Unmut der USA zuzuziehen. Beteiligte Institute oder Firmen könnten sich selbst rasch auf der US-Sanktionsliste finden. (Alexander Hahn, 19.3.2022)