Das Corona-Management der Regierung versinkt im Chaos. Daran ist nicht unbedingt der Gesundheitsminister schuld, der dafür zuständig wäre. Johannes Rauch ist erst seit zehn Tagen im Amt und kann daher nicht für alles belangt werden, was schiefläuft. Aber unbeteiligt ist er nicht. Eine seiner ersten Amtshandlungen als Minister war es, gute Miene zum bösen Spiel zu machen und praktisch alle Maßnahmen, die die Bevölkerung vor Corona schützen sollten, aufzuheben. Weil es die Politik der Bevölkerung, die schon ein wenig müde war von allem, recht machen wollte.

Die Verschärfung der Maskenpflicht ist das Mindeste, was die Regierung anordnen konnte.
Foto: APA/BARBARA GINDL

Wird schon nicht so schlimm kommen, war das Motto. Es war das falsche Motto. Es kam nämlich schlimm. Die Infektionszahlen gingen rasant hinauf. Bisheriger Rekordwert: 64.000 bestätigte Fälle an einem einzigen Tag. Zehntausende Krankenstände, noch mehr Leute in Quarantäne, Notstand in den Krankenhäusern, wo ganze Abteilungen gesperrt werden, und es sterben Leute, hundert in der Woche.

Die Politik wollte offenbar durchtauchen und setzte darauf, die Pandemie durchrauschen zu lassen. Nach einer Woche war die Erkenntnis da: So geht das nicht. Die Verschärfung der Maskenpflicht ist das Mindeste, was die Regierung anordnen konnte. Eine sinnvolle und effiziente Maßnahme, die nicht wirklich wehtut. Aber das wird nicht ausreichen.

Mit einem flammenden Appell ist es Gesundheitsminister Rauch offenbar gelungen, die Gecko-Kommission als beratendes Gremium der Regierung bei der Stange zu halten. Ein Teil der Experten war drauf und dran, alles hinzuhauen. Gegangen ist schließlich nur Gerry Foitik, Bundesrettungskommandant beim Roten Kreuz, peinlich genug. Es liegt auf der Hand, dass die Regierung kaum auf die Experten hört – oder nur das hören will, was ihr in den Kram passt. Das muss sie ändern, in ihrem eigenen Interesse, in unser aller Interesse. (Michael Völker, 18.3.2022)