Amtlicher Preisdeckel und Sondersteuern, um die Konzerngewinne abzuschöpfen: Der SPÖ-Politiker Jörg Leichtfried suggeriert, dass die Welt schnell in Ordnung kommen könnte, wenn der Staat nur alles regeln würde. Simple Logik gegen vielschichtige, komplexe Abhängigkeiten inklusive unseliger Vorgeschichten.

Gemeinsam mit Umweltministerin Leonore Gewessler (Grüne), Ex-Vizekanzler und -Energieminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP), Wifo-Chef Gabriel Felbermayr und Energieanalyst Johannes Begnini diskutierte Leichtfried am Sonntag bei Claudia Reiterer in "Im Zentrum", wie Österreich aus der Abhängigkeit vom russischen Gas kommen könnte.

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Hätti-wari-täti-Diskussion

Österreich ist mit rund 80 Prozent überproportional abhängig von russischem Gas, hat keine strategische Bevorratung, ist nach wie vor ein Land der Autofahrer und hat offenbar seine Aufsichtsräte in den staatlichen Energiekonzernen jahrzehntelang nicht mit zukunftsweisendem strategischem Auftrag entsandt. Dazu ein Inflationsszenario, dem die EZB mit Warten begegnet ist, und zögerliche Schritte in Richtung Energiewende. Viel Stoff für die hätti-wari-täti-Diskussion, die Moderatorin Reiterer gekonnt in Richtung "Was tun wir jetzt?" lenkt. Energieanalyst Begnini fährt hart hinein: Die Märkte funktionieren nicht, die Inflation wird weiter steigen, und Europa habe sich die Konsequenzen der Sanktionen gegen Russland am eigenen Fleisch nicht überlegt.

Schnell, gibt Umweltministerin Gewessler sinngemäß zu, sei kein Heilsweg in die bessere Welt zu beschreiten. Auch die derzeit vielbesuchten Förderländer Katar und Emirate, erinnert sie, seien "keine Demokratien".

Die Voest könne Hochöfen noch nicht mit Wasserstoff betreiben, die Umrüstung von Heizungen überfordere derzeit die Handwerker und erhöhe die Preise, welche auch im Lebensmittel- und Mietbereich demnächst deutlich höher aufschlagen werden, mehrt Mitterlehner noch einmal die Komplexität. Es wurde vieles angesprochen. Nur eines nicht: dass uns sehr wahrscheinlich eine Änderung unseres Lebensstils bevorsteht. (Karin Bauer, 21.3.2022)