Hans Holdhaus sen. (links, beim Training der Austria im Juni 2001) war über Jahrzehnte der führende Leistungsdiagnostiker in Österreich.

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Hans Holdhaus senior und junior.

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Der damalige Sportminister Heinz-Christian Strache stand hinter dem Umsturz im IMSB. Sein Kabinett übernahm das Institut zumindest interimistisch.

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Das Sportministerium kommt nicht zur Ruhe. Der zuständige Minister Werner Kogler (Grüne) steht vor einem wachsenden Berg an Altlasten, die ihm sein Vorvorgänger Heinz-Christian Strache (FPÖ) hinterließ. Nur eine dieser Lasten ist die Frage, wo im Ministerium die Fäden zusammenliefen, damit die frühere Familienministerin und Meinungsforscherin Sophie Karmasin zu Aufträgen kommen konnte, nachdem sie selbst "Mitbewerberinnen" vorgeschlagen und diese wenig überraschend "ausgestochen" hatte. Doch dazu kommt nun noch eine weitere Bürde, die Kogler zu schultern hat, die Causa Holdhaus. Am Mittwoch steht der nächste Gerichtstermin an, möglicherweise der letzte. Und auch hier stellt sich bereits nach und nach heraus, dass nicht wenig Geld verbrannt worden ist.

Die Causa Holdhaus dreht sich um das Institut für medizinische und sportwissenschaftliche Betreuung (IMSB), das ab 1984 zu 20 von 23 Medaillen bei Olympischen Sommerspielen beitrug. Hans Holdhaus sen. hatte das IMSB aufgebaut und 35 Jahre lang geleitet, am Ende gemeinsam mit seinem gleichnamigen Sohn. Unter Schwarz-Blau und Sportminister Strache wurden der Senior als Institutsdirektor und der Junior als Geschäftsführer der IMSB-Tochter Consult im Oktober 2018 fristlos entlassen. Dass diese "Fristlose" zu Unrecht erfolgte, ist im Fall von Holdhaus sen. bereits amtlich. Er bekam die gesamte Abfertigung, die er eingeklagt hatte, im Februar gerichtlich zugesprochen, gut 220.000 Euro brutto.

Das könnte wegweisend für das Verfahren seines Sohnes sein. Holdhaus jun. hatte erst kurz vor der Entlassung für drei weitere Jahre unterschrieben, in seinem Fall geht es um knapp 650.000 Euro brutto, wobei Zinsen und allein Gerichtskosten in Höhe von circa 90.000 Euro inkludiert sind. Nicht umsonst hatte eine Richterin gleich zu Verfahrensbeginn gesagt: "Ich fürchte, das wird ein Heidengeld kosten."

Die Verzögerung

Die beiden Verfahren wurden ab Ende 2018, Anfang 2019 getrennt geführt. Schon da wurde seitens des Gerichts festgestellt, dass die Fristlosen, die ohne Abmahnung erfolgten, besser vorher angedroht und ordentlich begründet gewesen wären. Und dennoch zog sich alles drei Jahre lang hin. Das war nicht nur der Pandemie geschuldet, sondern auch einer Sachverhaltsdarstellung, die im Mai 2019 gegen Vater und Sohn Holdhaus eingebracht wurde. Diesbezügliche Ermittlungen wurden im Oktober 2021 eingestellt, erst dann konnte das arbeitsrechtliche Verfahren weiterlaufen.

Das Sportministerium unter Strache hatte den sogenannten Holdhäusern den Missbrauch von öffentlichen Fördergeldern vorgeworfen. Der Vorwurf fußte vor allem darauf, dass im IMSB mit der Tochtergesellschaft Consult schon 1999 ein Konstrukt geschaffen worden sei, das der Familie Holdhaus zum Vorteil und dem Steuerzahler zum Nachteil gereicht habe. Auch für das Gericht war die Höhe des Holdhaus-Letztgehalts nicht nachvollziehbar. Holdhaus erklärte sie mit einem Vorstandsbeschluss. Zudem habe eine vom Sportministerium beauftragte Prüfung schon 2013 ergeben, dass die Konstruktion "transparent, korrekt, sinnvoll und für das IMSB aus finanzieller Sicht notwendig" gewesen sei.

Doch 2013 war Strache noch in Opposition. Als Vizekanzler trat er im Dezember 2017, als Sportminister im Jänner 2018 an. Bis zur Veröffentlichung des Ibiza-Videos im Mai 2019 blieb ihm jedenfalls genug Zeit für Änderungen vor allem im personellen Bereich. Die Holdhaus-Kündigungen wurden klarerweise nicht vom FPÖ-Parteichef persönlich ausgesprochen, sondern vom damaligen IMSB-Präsidenten Paul Haber. Der renommierte Sportmediziner erklärte später auch vor Gericht, dass ihn Straches Leute zuvor schwer unter Druck gesetzt hätten. Die Drohung lautete, dass das IMSB, sollte Haber nicht spuren, um sämtliche Förderungen umfallen und zwei Dutzend Menschen ihren Job verlieren würden.

Der Strache-Schwager

Nach dem Umsturz im IMSB tauchte Straches Schwager, ein Schwimm-Instruktor, als IMSB-Betreuer auf. "Er hat hoffentlich kein Berufsverbot, nur weil ich Vizekanzler bin", sagte Strache dazu. So oder so hatte sein Kabinett das Institut jedenfalls interimistisch übernommen. Der stellvertretende Kabinettschef Philipp Trattner wurde Präsident, Strache-Sportreferent Christian Günther wurde Vize. Ab März 2019 hieß das IMSB nicht mehr IMSB, sondern "Leistungssport Austria". Trattner, auch unter Kogler Sektionsleiter im Ministerium, und Günther machten recht bald die Plätze frei für die Juristin Christina Toth, Wolfgang Gotschke und den Sportwissenschafter Walter Hable. Aus diesem Dreiervorstand wurde ein Zweiervorstand, als sich Hable ohne nähere Angabe von Gründen wieder zurückzog. Dass laut Gerichtsaussage einer Buchhalterin allein Gotschke, der einen Fünfjahresvertrag erhielt, monatlich fünfstellig entlohnt wird, könnte zumindest ein Indiz dafür sein, dass es dem Ministerium nicht oder nicht nur um Einsparungen ging.

Mittlerweile kann von Einsparung sowieso keine Rede mehr sein. Holdhaus sen. soll noch Ende März die erste und Ende April die zweite Rate seiner Abfertigung von Leistungssport Austria erhalten, das nach wie vor hauptsächlich von öffentlichen Geldern lebt. Geht das Verfahren seines Sohnes ähnlich aus, hätte das Sportministerium für eine wahre Kostenexplosion gesorgt. Und der nun zuständige Minister Kogler müsste zumindest erklären, wieso er sich des Strache-Altlastenberges nicht viel früher angenommen hat. (Fritz Neumann, 22.3.2022)