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Ein ukrainischer Soldat vor dem bombardierten Einkaufszentrum in Kiew.

Foto: Reuters / Marko Djuricá

Mariupol hat sich nicht ergeben. Bis Montagfrüh hatten die ukrainischen Truppen in der Stadt Zeit, ihre Waffen niederzulegen – dann hätten die russischen Streitkräfte der Zivilbevölkerung und den unbewaffneten Armeeangehörigen erlaubt, die seit zwei Wochen belagerte Stadt zu verlassen, hieß es aus Moskau. Doch Kiew traut den russischen Versprechen nicht. Bereits zuvor wurden Frauen, Kinder und alte Menschen auf der Flucht von russischen Soldaten ins Visier genommen.

Und so bleiben geschätzt 300.000 Menschen in der strategisch wichtigen Hafenstadt eingesperrt – Nahrungsmittel, Trinkwasser und Medikamente fehlen. Am Montag konnten ukrainischen Angaben zufolge nur rund 3.000 Menschen Mariupol verlassen. Die russische Nachrichtenagentur Interfax zitierte den Anführer der selbsternannten "Volksrepublik" Donezk, wonach die Stadt in eineinhalb Wochen eingenommen werden könnte.

Auf der westlichen Seite der ukrainischen Küste trafen zum ersten Mal Bomben einen Vorort von Odessa; und zwar ein Wohngebiet, wie es von ukrainischer Seite hieß. Moskau bestreitet, zivile Einrichtungen unter Beschuss zu nehmen. Fachleute gehen davon aus, dass die Schwarzmeermetropole das nächste Ziel der Streitkräfte Russlands ist. Denn mit dem Fall von Odessa würde die Ukraine einen wichtigen Hafen verlieren, um Waren über den Seeweg zu erhalten. Das US-Verteidigungsministerium sprach am Montag von "verstärkten Marineaktivitäten" im nördlichen Schwarzen Meer. Dies sei jedoch kein klares Zeichen für einen bevorstehenden Angriff auf Odessa.

Bomben auf Kiew

Die ukrainische Hauptstadt ist für die russischen Bodentruppen unterdessen weiterhin unerreichbar. Moskau versucht aber, Artillerie so in Stellung zu bringen, damit das Zentrum von Kiew beschossen werden kann. Dass ein Belagerungsring um die Hauptstadt geschlossen wird, verhindern die ukrainischen Streitkräfte vor allem im Süden der Metropole. Dennoch starben mindestens acht Menschen im Stadtbezirk Podilskyj, als russische Raketen ein Einkaufszentrum zerstörten. Bürgermeister Witali Klitschko hat erneut eine 35-stündige Ausgangssperre verhängt, die bis Mittwochmorgen gilt.

In Sachen Friedensgespräche telefonierten die Verhandler am Montagmorgen eineinhalb Stunden miteinander – in den Arbeitsgruppen wurde den ganzen Tag weiter gesprochen, hieß es von ukrainischer Seite. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow warf der Gegenseite vor, nicht schnell genug zu verhandeln. Ein Treffen der Präsidenten Wladimir Putin und Wolodymyr Selenskyj sei so in die Ferne gerückt. Selenskyj kündigte an, die ukrainische Bevölkerung über mögliche Kompromisse mit Russland abstimmen lassen zu wollen.

Die USA glauben nicht an einen Erfolg der Gespräche. Russland verhandle nicht ernsthaft, sagte die US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen, Linda Thomas-Greenfield. Außerdem geht das US-Verteidigungsministerium mittlerweile davon aus, dass die russischen Truppen in der Ukraine vorsätzlich zivile Ziele ins Visier nehmen. Ministeriumssprecher John Kirby sagte am Montag: "Wir sehen weiterhin wahllose Angriffe auf Zivilisten, von denen wir glauben, dass sie in vielen Fällen vorsätzlich sind." Deutlich sei, dass die Angriffe zu einer wachsenden Zahl ziviler Opfer führten. "Dafür gibt es keine Rechtfertigung." (Bianca Blei, red, 21.3.2022)