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Die US-Stahlproduzenten dürften wieder mehr Konkurrenz aus dem Ausland bekommen.

Foto: REUTERS / AARON JOSEFCZYK

Washington/London – Die USA und Großbritannien haben ihren Streit um die unter Donald Trump eingeführten Sonderzölle auf Stahl- und Aluminiumimporte vorerst beigelegt. Großbritannien darf ab Juni wieder bestimmte Mengen Stahl und Aluminium zollfrei in die USA einführen, geht aus einer am Dienstag verbreiteten Mitteilung zur Einigung hervor. Das zollfreie Handelsvolumen soll etwa jenem der Jahre 2018 und 2019 entsprechen, als es noch keine Strafzölle gab.

Großbritannien werde daher auf zusätzliche Importgebühren auf US-Waren im Wert von rund 500 Millionen Dollar (454 Millionen Euro) verzichten, hieß es. Dazu gehören unter anderem Whiskey, Jeans und Motorräder.

Trump-Entscheidung revidiert

Das Abkommen folgt dem Modell einer Einigung zwischen der US-Regierung und der EU, die Ende vergangenen Jahres bekanntgegeben worden war. Im Februar wurde eine ähnliche Einigung mit Japan angekündigt.

Trump hatte die Zölle in Höhe von 25 Prozent, die auch enge US-Verbündete wie Japan und die Europäer trafen, mit "Interessen der nationalen Sicherheit" begründet. Sein Nachfolger Joe Biden versprach bei seinem Amtsantritt vor gut einem Jahr, das beschädigte Verhältnis zu den Bündnispartnern wieder zu kitten.

Freihandelsabkommen in weiter Ferne

Die britische Regierung begrüßte die Entwicklung als gute Nachricht für den Stahl- und Aluminiumsektor, der in Großbritannien mehr als 80.000 Menschen beschäftige. Die Opposition forderte, nun möglichst schnell ein Freihandelsabkommen mit den USA zu schließen. "Die konservative Partei hat 2019 versprochen, bis Ende 2022 ein Handelsabkommen mit den USA zu schließen", sagte der für internationalen Handel zuständige Labour-Politiker Nick Thomas-Symonds. Dieses Versprechen müsse die Regierung nun halten.

Die Handelsbeauftragte der US-Regierung, Katherine Tai, wollte sich gegenüber der BBC nicht darauf festlegen, dass ein Freihandelsabkommen nun der nächste Schritt sei. Man müsse prüfen, welche Art der Kooperation am besten zu den aktuellen Herausforderungen passe. Auch der Ökonom Chad Bown vom Peterson Institute for International Economics zeigte sich skeptisch: "Die US-Regierung hat keine Anzeichen dafür gegeben, dass sie mit irgendjemandem in Kürze Handelsverträge abschließen will", sagte er der BBC. "Das wäre eine große Veränderung."

Die Hoffnung vieler Brexit-Anhänger nach dem Austritt aus der EU war der Abschluss von lukrativen, von EU-Regularien unabhängigen Handelsabkommen – insbesondere mit den USA. Zuletzt lag ein solcher Deal jedoch in weiter Ferne. Die ungelösten Brexit-Probleme in der britischen Provinz Nordirland legten zusätzliche Steine in den Weg. Dem US-Präsident Joe Biden, der selbst irische Wurzeln hat, liegt das Schicksal der Region am Herzen. Mehrfach kritisierte er die Rolle Londons im Streit mit der EU über die Sonderregeln für Nordirland nach dem Brexit. Für diese gibt es noch immer keine endgültige Einigung. (APA, 22.3.2022)