Wenn es keine Zigaretten mehr sein dürfen, dann müssen andere Alternativen her. Allein für E-Zigaretten erhoffen sich viele Hersteller einen großen Absatzmarkt.

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Lang dahin sind die Zeiten, in denen Zigaretten noch als Inbegriff von Genuss, Entspannung und Lässigkeit im Fernsehen angepriesen wurden. In denen Rauchschwaden die Innenräume von Cafés, Bars und Restaurants einhüllten und sich an Haaren und Kleidung festsetzten. In denen selbst in Flugzeugen geraucht werden durfte und beinahe jeder und jede – ob gewollt oder nicht – Passivraucherin war.

Eigentlich, so könnte man meinen, wurde Rauchen in den vergangenen Jahren von Staaten so unattraktiv gemacht, dass Zigaretten schon jetzt der Vergangenheit angehören könnten. Da wären einerseits die kontinuierlich ausgeweiteten rauchfreien Zonen, wie etwa im Auto, am Strand (wie kürzlich von Spanien geplant), in Freibädern oder auf öffentlichen Spiel- und Sportplätzen.

Gänzlich andere Zeiten: Als im Fernsehen sogar Ärzte für Zigaretten warben.
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Und andererseits der Preis, der seit Jahren immer weiter nach oben geht. Ab 1. April werden Zigaretten hierzulande gemäß Tabaksteuer noch einmal um rund 20 Cent pro Packung teurer. Knapp zwei Milliarden Euro nimmt der österreichische Staat schon jetzt jedes Jahr durch die Tabaksteuer ein.

Zigarettenabsatz geht zurück

Dabei ist Österreich eigentlich noch vergleichsweise raucherfreundlich. Während der Einzelhandelspreis einer Packung Zigaretten hierzulande bei rund 5,50 Euro liegt, liegt er in Großbritannien bei 13, in Norwegen bei knapp 14, in Neuseeland bei rund 21 und in Australien sogar bei über 23 Euro.

Teilweise scheinen die Maßnahmen Wirkung zu zeigen: In den meisten Ländern geht der Zigarettenabsatz seit Jahren zurück. Viele Menschen haben aber, ganz zum Ärger von Gesundheitsbehörden und Nichtraucherorganisationen, die schon seit Jahrzehnten gegen die Zigarette und das darin enthaltene suchterzeugende Nikotin mobil machen, trotz der bisherigen Entwöhnungsmaßnahmen nicht mit dem Rauchen aufgehört.

In Österreich sind es etwa nach wie vor rund zwei Millionen Menschen über 15 Jahren beziehungsweise knapp jeder dritte Mann und jede fünfte Frau, die häufig oder gelegentlich raucht. EU-weit gehören Griechenland, Bulgarien und Kroatien zu den stärksten Rauchernationen, während in Schweden, Finnland, Island und Spanien weit seltener geraucht wird.

Verbot für nächste Generationen

Geht es nach einigen Gesundheitsbehörden, sollen daher nicht nur mehr rauchfreie Zonen und höhere Preise bestehende oder künftige potenzielle Raucherinnen und Raucher von den Glimmstängeln fernhalten, sondern immer öfter auch strikte Verbote. Wie etwa aktuell in Dänemark: Dort soll in Zukunft jede Person, die 2010 oder danach geboren ist, keine Zigaretten und andere Nikotin-Produkte mehr kaufen dürfen, lautet der vor wenigen Tagen verkündete Plan des Gesundheitsministeriums. Leiten diese Maßnahmen nun endgültig das Ende der Zigarette ein?

Ganz neu ist die Idee eines völligen Verbots von Zigaretten jedenfalls nicht. Schon im vergangenen Jahr preschte Neuseeland mit einer ähnlichen Ankündigung vor. Um bis 2025 zu einem rauchfreien Land zu werden, dürfen jene, die jünger als 14 Jahre alt sind, künftig nie mehr legal Zigaretten in dem Land kaufen, hieß es aus dem Gesundheitsministerium. Zudem dürfen Hersteller in dem Land künftig nur Zigaretten mit einem sehr niedrigen Nikotingehalt anbieten und diese nur noch in wenigen Shops verkauft werden.

Große Zustimmung

Auch in Dänemark soll das Alterslimit für legalen Zigarettenkonsum schrittweise nach oben gesetzt werden, um die nächsten Generationen vom Rauchen fernzuhalten. Denn laut Gesundheitsministerium raucht in dem Land knapp ein Drittel aller 15 bis 29-Jährigen. Rauchen sei die Hauptursache für Krebs und für 13.600 Tote im Jahr verantwortlich.

In der Bevölkerung ist die Zustimmung zu den Maßnahmen groß: Rund zwei Drittel gaben in einer Befragung der Danish Cancer Society an, dass sie für den Plan der Regierung, Zigaretten für nachfolgende Generationen zu verbieten, seien. Doch es regt sich, ähnlich vor ein paar Monaten in Neuseeland, auch Kritik an den Maßnahmen: Manche Organisationen sehen darin einen zu starken Eingriff in die Selbstbestimmtheit der Bürgerinnen und Bürger. Sie fordern stattdessen einen Ausbau der Suchthilfe und bessere Aufklärungskampagnen, etwa an Schulen.

Schwarzmarkt boomt

Andere befürchten, dass Menschen nach dem Verbot Zigaretten einfach aus dem Ausland ins Land schmuggeln und dies den Tabak-Schwarzmarkt fördern könnte. Tatsächlich dürfte dies etwa in Neuseeland bereits zum Teil der Fall sein, wie auch die Regierung eingestand. Demnach sei der Tabak-Schwarzmarkt in den vergangenen Jahren rapide gewachsen. Es seien vor allem organisierte Banden, die die Zigaretten in großem Stil ins Land schmuggelten.

Das völlige Verbot von Zigaretten könnte vor allem den Schwarzmarkt beflügeln.
Foto: John THYS / AFP

Auch der höhere Preis und der niedrigere Nikotingehalt, wie in Neuseeland plant, stößt zum Teil auf Ablehnung. Einige Parteien und Experten befürchten, dass dies vor allem niedrigverdienenden Menschen schaden könnte, die infolgedessen mehr Geld in mehr Zigarettenpackungen investieren müssen, um dieselbe Menge an Nikotin zu bekommen.

Hersteller setzen auf Alternativen

Nicht zuletzt dürfte sich wohl auch die Tabakindustrie bei den neuerlichen Zigarettenverboten ins Fäustchen lachen. Denn Hersteller wie Philip Morris preisen sich seit einigen Jahren ironischerweise selbst als Vorreiter für eine rauchfreie Zukunft an. Immer wieder verkündete das Unternehmen, man wolle "so bald wie möglich" die Zigarettenproduktion einstellen und "den Rauch hinter sich lassen".

Freilich nicht ohne eine Alternative und Lösung für die eigens beförderte Nikotinabhängigkeit anzupreisen, die sich E-Zigarette oder Tabakerhitzer nennt. Denn schon jetzt machen E-Zigaretten und andere Dampfprodukte rund ein Viertel des Geschäfts von Philip Morris aus. Umso schöner ist es für die Hersteller, wenn E-Zigaretten von den neuen Verboten wie in Neuseeland gänzlich ausgenommen sind.

Der Zigaretten-Marktführer Philip Morris hat große Pläne für die "rauchfreie" Zukunft.
Foto: imago images/Schöning

Zielgruppe: Junge Raucher

Verkauft wird die neue Generation an E-Zigaretten und Tabakerhitzer in schicken Stores in München oder Wien, die sich Iqos nennen. Das Iqos steht für "I quit ordinary smoking", übersetzt: "Ich höre mit dem gewöhnlichen Rauchen auf". Im Inneren stehen weiße Möbel, vor allem junge Verkäufer beraten die eintretende Kundschaft. Die Zielgruppe: stilbewusste junge Raucherinnen und Raucher, für die die E-Zigaretten und Tabakerhitzer eine laut Industrie "weniger schädliche" Alternative zu normalen Zigaretten bieten, ohne dass sie deshalb gleich ganz mit dem Rauchen aufhören müssen. "Schadensminimierung" sagen die Hersteller dazu.

Iqos Stores, wie hier in Japan, sollen vor allem junge Raucher ansprechen.
Foto: REUTERS/Thomas White/File Photo

Wissenschaftlich sind die angeblichen gesundheitlichen Vorteile von E-Zigaretten gegenüber normalen Zigaretten jedoch umstritten. Das Nikotin in E-Zigaretten ist laut Gesundheitsministerium genauso süchtigmachend wie jenes in herkömmlichen Zigaretten. Auch, ob E-Zigaretten wirklich bei der Rauchentwöhnung helfen können, ist nicht eindeutig bewiesen. Nicht zuletzt würden E-Zigaretten durch die beigefügten Aromen besonders Kindern und Jugendlichen Harmlosigkeit vortäuschen.

E-Zigaretten teurer machen

Auch deshalb will die dänische Regierung das Verbot von Zigaretten für nächste Generationen auch auf E-Zigaretten ausweiten. Bereits ab 1. April dürfen in dem Land keine E-Zigaretten mehr verkauft werden, die einen anderen Geschmack als Tabak oder Menthol haben. Zudem sollen neue Steuern auf E-Zigaretten in diesem Jahr deren Preis um zwei Drittel anheben, um sie in etwa so teuer wie normale Zigaretten zu machen.

Welche Auswirkungen das auf das Rauchen im Land haben wird, wird sich wohl erst in den nächsten Jahren zeigen. Fest steht aber: Zigaretten – und immer öfter auch E-Zigaretten – droht in immer mehr Industrieländern eine härtere Regulierung. In vielen anderen Teilen der Welt lässt sich mit Zigaretten aber nach wie vor gutes Geld verdienen.

Weitere Alternativen

Was Industrieländer betrifft, spricht viel dafür, dass sich Zigarettenhersteller wie Philip Morris als Antwort auf die Regulierungen in den nächsten Jahren noch einige weitere Alternativen zur herkömmlichen Zigarette überlegen werden.

Alternativen, die dann wohl als noch weniger gesundheitsschädlich, wenn nicht sogar als gesund angepriesen werden. Ob es dann Rauch oder Dampf ist, der von den Sticks und Stängeln aufsteigt, dürfte den Herstellern dabei relativ egal sein. (Jakob Pallinger, 24.3.2022)