Flugzeuge müssen dem Krieg in der Ukraine ausweichen.

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Der russische Angriffskrieg auf die Ukraine hat wenig überraschend auch massive Auswirkungen auf den internationalen zivilen Flugverkehr. Eurocontrol, die Europäische Organisation zur Sicherung der Luftfahrt mit Sitz in Brüssel, hat nun erstmals Daten veröffentlicht, die Änderungen bei den Überflügen dokumentieren. In Europa haben diese wegen geänderter Flugrouten zum Teil stark zugenommen. Auch in Österreich sind mehr Flieger am Himmel zu sehen.

Zum Vergleich zog Eurocontrol die sechste Kalenderwoche 2022 (also noch vor dem Krieg) und die zehnte Kalenderwoche heran (Russland begann den Krieg in Woche acht). Nicht nur über der Ukraine gibt es keine kommerziellen Flüge mehr, auch über der Republik Moldau ist im Vergleichszeitraum der zivile Flugverkehr zum Stillstand gekommen. Belarus wird gemieden.

Stopp der Flüge nach Russland

Ein großes Minus von 46 Prozent verzeichnete Litauen, in absoluten Zahlen sind das täglich 200 Überflüge weniger. Hier macht sich vor allem das Aussetzen der Flüge aus Westeuropa nach Russland bemerkbar. Beim nördlich Nachbarn Lettland gab es ein Viertel weniger Überflüge. Auch in Polen war der Rückgang von Überflügen mit einem Minus von 33 Prozent mehr als deutlich. Für Norwegen hat Eurocontrol einen fünfprozentigen Rückgang erfasst.

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In allen anderen Ländern Europas haben die Überflüge zugenommen. In Österreich etwa um 17 Prozent. "Die Ursache dafür ist aber nicht nur der Ukraine-Krieg", sagt Markus Pohanka, Sprecher der heimischen Flugsicherung Austro Control, im Gespräch mit dem STANDARD. Das Plus ergebe sich auch durch saisonale Schwankungen und durch einen generellen Aufschwung im Flugverkehr nach der Omikron-Welle.

Deutlich mehr in Ungarn und der Slowakei

In der Region Georgien und Armenien hat sich die Zahl der Überflüge im verglichenen Zeitraum laut Eurocontrol fast verdoppelt. In Europa waren die Zuwächse in Nordmazedonien und Griechenland mit einem Plus von 33 Prozent am stärksten. Danach folgten Ungarn und die Slowakei mit jeweils +29 Prozent. Rund 100 der 290 Flugzeuge, die jeden Tag zusätzlich über Ungarn fliegen, sind auf Ausweichrouten nach Asien, vor allem in den Mittleren Osten, unterwegs.

Generell sind die Zuwächse auf der Ausweichroute südlich des Kriegsgebietes deutlich. In Deutschland, Frankreich und Großbritannien lagen die Zuwächse nur noch zwischen acht und zwölf Prozent.

Streckengebühren für Überflüge

Für Überflüge fallen in jedem Land Streckengebühren an. Diese sind unter anderem nach Gewichtsklassen der Flugzeuge reglementiert, aber dennoch von Land zu Land unterschiedlich. Im Luftraum von Österreich beträgt etwa die Gebühr für Flugzeuge mit einem Höchstabfluggewicht von 50 Tonnen derzeit 67 Euro pro 100 Flugkilometer. (Michael Simoner, 24.2.2022)