Schon vor rund 100.000 Jahren haben Menschen Oliven als Brennstoff und höchstwahrscheinlich auch als Nahrungsmittel verwendet. Das konnten nun Innsbrucker Wissenschafter gemeinsam mit internationalen Kollegen nachweisen. Die Forschenden entdeckten entsprechende Überreste in zwei Höhlen im Norden Marokkos.

Im Mittelmeerraum wird die Olive seit der Jungsteinzeit intensiv durch den Menschen genutzt. So wurden Olivenbäume bereits vor 6.000 Jahren angebaut, eine der frühesten landwirtschaftlichen Nutzungen von Bäumen. Speziell wegen des wertvollen Öls war die Frucht beliebt, aber auch das Holz der Olivenbäume wurde viel verwendet.

Die zentrale Ausgrabungsstätte in der El Harhoura Höhle.
Foto: Christophe Falgueres

Eiszeitliche Verbreitung des Olivenbaums

Geht man aber weiter in der Menschheitsgeschichte zurück, werden solche Funde seltener. Das könnte den Innsbrucker Forschern zufolge auch daran liegen, dass Olivenbäume früher nicht weit verbreitet waren. So wuchs die wilde Olive während der letzten Eiszeit vor allem an Marokkos Atlantikküste und im Süden der iberischen Halbinsel. Und von dort – zwei in der Region Rabat-Temaria im Norden Marokkos gelegenen Höhlen – stammen auch die Funde, die in Toulouse und Innsbruck untersucht wurden.

Es handelt sich um Holzkohle und verkohlte Fragmente von Kernen, die vor allem bei Grabungen 2009 und 2010 im Sediment der El Mnasra Höhle und die El Harhoura Höhle geborgen wurden, erklärte Laurent Marquer vom Institut für Botanik der Universität Innsbruck. Die beiden Höhlen sind seit 1956 bzw. 1977 als steinzeitliche Fundstätten von Werkzeugen aus Stein und Knochen oder bearbeiteten Muschelschalen bekannt und spielen daher eine wichtige Rolle in der Forschung zur Evolution und Verbreitung des Menschen in Afrika.

Unbekannte Pflanzenreste

Die Wissenschafter konnten 81 Prozent der in den Feuerüberresten gefundenen Kernfragmente als wilde Oliven identifizieren. "Weitere 16 Prozent waren zu schlecht erhalten, um sie zuzuordnen, und von den restlichen drei Prozent wissen wir noch nicht, um welche Pflanzen es sich handelt, daran arbeiten wir noch", so Marquer.

Der Eingang zur El Harhoura Höhle. Hier und in der El Mnasra Höhle in der Region Rabat-Temaria im Norden Marokkos fanden die Forschenden Hinweise darauf, dass Menschen schon vor 100.000 Wildoliven nutzten.
Foto: Christophe Falgueres

Es gibt keinen eindeutigen Beleg dafür, dass Oliven auch gegessen und nicht nur als Brennstoff genutzt wurden, schreiben die Forschenden im Fachjournal "Nature Plants". "Es wäre möglich, dass ganze Olivenzweige ins Feuer geworfen wurden und die daran hängenden Früchte einfach verbrannten", erklärte Marquer.

Nutzung als Nahrungsmittel wahrscheinlich

Doch eine Nutzung als Nahrungsmittel sei naheliegend, sonst hätte man anstatt der vielen Bruchstücke auch ganze Kerne finden müssen. "Es spricht also alles dafür, dass Menschen zunächst die Frucht gegessen haben und anschließend bewusst die Kerne zerbrachen, um sie effizienter zu verbrennen."

Olivenkerne enthalten viel Öl und das für die Verholzung von Pflanzenzellen verantwortliche Lignin. Zerbrochen erzeugen sie ein langsam brennendes Feuer, dass sich sehr gut zum Kochen eignet. Getrocknete zerbrochene Olivenkerne erzeugen zudem rauchlose Flammen, was vor allem für Höhlenbewohner ein großer Vorteil gewesen sein dürfte. (APA, 25.3.2022)