In Barcelona wurde Mitte März mit einer Performance des zweiten Jahrestags der Pandemie-Ausrufung gedacht. Langsam aber stuft Spanien Sars-CoV-2 wieder zurück. Es ist nicht das einzige Land in Europa, das so handelt.

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Österreich steht an der Spitze: Zumindest was die Corona-Inzidenz betrifft, den Sieben-Tage-Schnitt der laborbestätigten Fälle pro 100.000 Einwohner. Sie liegt hierzulande bei über 2.500 und erstrahlt damit auf den internationalen Corona-Karten in der dunkelsten Farbe. Europaweit liegt nur Zypern mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von knapp 2.800 vor Österreich. Und das auch erst seit kurzem, also seitdem die Fallzahlen hierzulange langsam zurückzugehen beginnen.

"Österreich testet einfach viel", das ist – zumindest bis sich das Anfang April ändern wird – die oft gehörte Relativierung. Doch auch was die Zahl der Toten angeht, lag Österreich zuletzt nahe an der traurigen Europa-Spitze. Allerdings kämpfen auch andere Staaten mit der Omikron-Welle und mit dem gehäuften Auftreten des Subtyps BA2.

In Deutschland etwa sind die Corona-Fallzahlen ebenfalls so hoch wie nie, wenn auch dort die Zahlen seit kurzem wieder sinken. Die Inzidenz ist aber, auch in der Spitze, nur gut halb so hoch gewesen, wie sie es in Österreich war. Täglich werden dort zuletzt knapp 200.000 Neuinfektionen registriert, Mitte der Woche verzerrte eine Welle von Nachtragungen allerdings den Schnitt. Außerdem geht Gesundheitsminister Karl Lauterbach von einer hohen Dunkelziffer aus – die Zahlen könnten dem SPD-Politiker zufolge sogar doppelt so hoch liegen, womit sie wiederum in etwa dem österreichischen Niveau entsprächen. Dennoch sind in Deutschland vergangene Woche die ersten landesweiten Corona-Schutzmaßnahmen weggefallen. So braucht es fürs Zugfahren und das Arbeiten vor Ort keinen 3G-Nachweis mehr. Die Maskenpflicht gilt im öffentlichen Verkehr aber weiterhin.

In der Schweiz liegt die Inzidenz bei rund 1.300. Trotzdem wurden bereits am 16. Februar fast alle Corona-Maßnahmen aufgehoben. Daraufhin sind die Zahlen einige Wochen lang wieder gestiegen, mittlerweile aber sind sie wieder im Sinken begriffen. Deshalb geht man nun noch einige Schritte weiter. Mit 1. April fällt die Maskenpflicht im öffentlichen Verkehr und in Gesundheitseinrichtungen sowie die Pflicht zur Isolation.

Auch in Frankreich ist die Zahl der Neuinfektionen hoch, in einigen Regionen liegt die Sieben-Tage-Inzidenz über 1.500, im ganzen Land bei gut 1.400. Anders als in den umliegenden Gebieten geht der französische Trend auch nicht nach oben, sondern nach unten. Die Regierung geht nach den Worten von Gesundheitsminister Olivier Véran derzeit davon aus, dass der Anstieg noch in dieser Woche anhalten und dann im April zurückgehen wird. Epidemiologen der staatlichen Gesundheitsorganisation Santé Publique France können dies allerdings nicht bestätigen und verweisen darauf, dass die Entwicklung vom Verhalten der Bevölkerung und dem Wetter abhängig sei.

Véran, der sich wie die gesamte Regierung im Präsidentschaftswahlkampf zugunsten von Staatschef Emmanuel Macron befindet, meint, Frankreich habe zu Recht die meisten Beschränkungen aufgehoben: Ein Nachweis über Impfung, Genesung oder negativen Test ist nur noch beim Besuch von Altersheimen, Gesundheitseinrichtungen und Einrichtungen für Menschen mit Behinderung notwendig. Außerdem fallen die Masken fast überall, außer im öffentlichen Fern- und Nahverkehr.

Dem Trend zu Lockerungen kann sich auch Italien nicht entziehen. Das Land, in dem Sars-CoV-2 im Frühling 2020 als Erstes in Europa Fuß fasste, beendet am 31. März den Corona-Ausnahmezustand und schafft die meisten Restriktionen ab. Von April an werden etwa in Hotels, im öffentlichen Personennahverkehr und in Geschäften keine Nachweise von Impfung, Genesung oder Tests mehr verlangt. Am 1. Mai wird das in Italien "Greenpass" genannte Zertifikat komplett abgeschafft. Die Quarantänevorschriften werden fast vollständig aufgehoben: Künftig müssen sich nur noch Infizierte isolieren, Kontaktpersonen dürfen ihre Wohnung jederzeit verlassen. Mit Auslaufen des Notstands wird auch das Expertengremium der Regierung aufgelöst, das in den Monaten der Pandemie an den wichtigsten Maßnahmen gearbeitet hatte.

Corona-Infizierte ohne oder mit nur leichten Krankheitssymptomen müssen sich in Spanien ab Montag nicht mehr in häusliche Isolation begeben. Das hat das Gesundheitsministerium in Madrid schon vor einigen Monaten angekündigt und vorige Woche auch mit den autonomen Gemeinschaften des Landes vereinbart. Nur bei gefährdeten Personengruppen sollten die bisherigen Maßnahmen weiter gelten. Dazu würden alle Menschen über 60 sowie solche mit einer Immunschwäche gezählt, außerdem Schwangere und Mitarbeiter des Gesundheitswesens. Weiter gültig bleibt aber die Maskenpflicht in allen Innenräumen, darunter auch in öffentlichen Verkehrsmitteln.

Vor der Bestätigung des Vorhabens waren die Zahlen auf für Omikron-Verhältnisse sehr niedrige Inzidenzen rund um 250 gesunken. In den vergangenen Tagen aber werden wieder mehr Fälle verzeichnet.

Vorreiter bei der Abschaffung aller Maßnahmen ist in Europa aber weiterhin Großbritannien, wo fast alle Maßnahmen in den Bereich der persönlichen Verantwortung verschoben wurden. Die Inzidenz dort liegt – bei freilich recht wenigen Tests – derzeit bei etwa 800. Ein Anstieg, der sich in den vergangenen Wochen abgezeichnet hatte, schien sich seit den vergangenen Tagen wieder einzubremsen.

Das alles mag auch mit der gelungenen Impfaktion im Land zu tun haben. In England können über 75-Jährige seit Montag eine zweite Auffrischungsimpfung gegen das Coronavirus erhalten. Auch Bewohnerinnen und Bewohner von Altersheimen sowie über Zwölfjährige mit Immunschwächen dürfen sich für den "Frühlingsbooster" ("Spring Booster") melden, der sechs Monate nach der insgesamt dritten Impfung angeboten wird. Nach dieser Zeitspanne lässt nach Einschätzung von Experten die Immunität wieder nach.

Wie geht es den anderen Staaten, die fast alle Maßnahmen abgeschafft haben? In Dänemark liegt die Inzidenz nach einem dramatischen Anstieg im Februar nun wieder bei nur rund 550. In Norwegen liegt sie bei etwa 300. (Manuel Escher, Noura Maan, 1.4.2022)