Max Weiler porträtierte Wolfgang (links) und Hans Klocker. Nach ihnen benannte Emmy Klocker die 1998 gegründete Stiftung.

Foto: Klocker Stiftung

Emmy Klocker vermachte der Stiftung ihr gesamtes Vermögen und die 1.200 Werke umfassende Kunstsammlung.

Foto: Sammlung Klocker

Wäre es nach Emmy Klocker gegangen, dann wäre Innsbruck heute ein bisschen wie Bilbao. Die 2006 verstorbene Tiroler Kunstsammlerin dachte in großen Dimensionen und an internationale Stararchitekten wie Frank Gehry, wenn es um die Errichtung eines Museums für ihre Sammlung österreichischer Kunst nach 1945 ging. Dass sie als Kunstmäzenin in der oberen Liga mitspielen wollte, spiegelt sich auch in dem von ihr gestifteten Klocker-Kunstpreis wider: Er wird seit 2014 alle zwei Jahre vergeben, ist mit 20.000 Euro gefördert und damit eine der höchstdotierten Auszeichnungen dieser Art in Österreich.

Für den aktuellen Vorstand der von 1998 gegründeten Klocker-Stiftung war die Auslobung dieses Preises die weitaus leichtere Übung als die Suche nach einem geeigneten Standort für ein Klocker-Museum. Wobei die Museumspläne der Stifterin in den 1990er-Jahren auch durch kulturpolitische Signale beflügelt worden waren: In Innsbruck dachte man damals über ein "Haus der Moderne" nach, in das die Mäzenin nicht nur ihre Kunstwerke, sondern auch einen beträchtlichen Finanzierungsbeitrag einbringen sollte. Geworden ist daraus aber ebenso wenig wie aus der später angedachten Anbindung der Sammlung an das Landesmuseum Ferdinandeum.

Dürftige Aktenlage

Ferdinandeums-intern soll die Lust, sich mit der Sammlung Klocker zu beschäftigen, in den letzten Jahren auch deshalb enden wollend gewesen sein, weil auf der Stiftung der Schatten einer NS-Karriere liegt – zumindest namentlich. Emmy Klocker hat die "Komm.Rat Dr. Hans und Dr. Wolfgang Klocker Stiftung" im Andenken an ihren Sohn und ihren Ehemann gegründet. Ihr Ehemann Hans Klocker machte nach Ende des Zweiten Weltkriegs als Unternehmer Karriere und erarbeitete sich als Gründer des Autohauses Vowa ein beträchtliches Vermögen. Ausschlaggebend war der zweite Berufsweg des Juristen und ehemaligen NSDAP- und SA-Mitglieds, der während der NS-Herrschaft als Strafrichter und später als Offizier der deutschen Luftwaffe tätig war.

2021 beauftragte der Stiftungsvorstand den Innsbrucker Historiker Wolfgang Meixner mit der wissenschaftlichen Aufarbeitung von Klockers Rolle während der NS-Zeit. Meixners Fazit: Die immer wieder verbreiteten Gerüchte über den "Blutrichter" Klocker, der besonders harte Urteile gefällt habe, seien wissenschaftlich nicht belegbar. Freilich sei die Aktenlage dürftig, so Meixner zum STANDARD. Gerade im Hinblick auf die Bewertung der Zusammenhänge mit der Stiftung Klocker müsse man aber auch festhalten, dass das Vermögen, aus dem die Sammlung schließlich finanziert wurde, von Klocker erst nach Ende des Zweiten Weltkriegs aufgebaut worden war.

Über diese Verbindungen wird im ganz neu eröffneten Klocker-Museum in Hall in Tirol aufgeklärt, wo ein im Auftrag der Stiftung entstandener Film von Teresa Andreae läuft. Darin geht es um die Biografie des Sohnes Wolfgang, der als eigentlicher Gründer der Sammlung gilt. Dessen Interesse an Kunstströmungen seiner Zeit, an den politischen Karikaturen eines Paul Flora und am intellektuellen Austausch sind wohl auch als Bruch mit der deutschnationalen Gesinnung des Vaters zu verstehen. Klocker junior sammelte, organisierte Ausstellungen im Autohaus – und starb 1974 jung bei einem tragischen Flugzeugunglück in den Südtiroler Alpen.

Weiblicher Zuwachs

Seine Mutter setzte seine Sammlungstätigkeit ohne gezieltes Programm, aber mit einer gewissen Vorliebe für Figurales und Surreales fort. Weibliche Positionen wurden der Zeit entsprechend eher wenig angekauft, ein Umstand, dem der von der Stiftung eingerichtete Beirat in den letzten Jahren gezielt entgegengesteuert hat. Arbeiten von Martha Jungwirth, Florentina Pakosta, Esther Stocker oder Brigitte Kowanz stehen auch im Zentrum der ersten Sammlungspräsentation, die nun zu sehen ist.

Auch damit entspricht man dem Zeitgeist, will den Fokus auf Kunst von Frauen aber auch als Signal verstanden wissen, was die Weiterentwicklung der Sammlung betrifft. Es wäre freilich schön, tiefere Einblicke in das Kunstverständnis und die Sammlungstätigkeit von Wolfgang Klocker zu erhalten, die ja gewissermaßen auch für die gesellschaftlichen Umbrüche der Zeit und die Reaktion der Nachfolgegeneration auf das Erbe der NS-Väter steht.

Mehr als 800.000 Euro hat die Klocker-Stiftung in das Museum investiert, das im Dachgeschoß des historischen Gasthofs Engl in Hall entstanden ist, den die Architekten Scharfetter und Rier behutsam adaptiert haben. Künftig sollen hier zwei bis drei Ausstellungen pro Jahr gezeigt werden. Fast Bilbao. (Ivona Jelcic, 27.3.2022)