Die Mühlviertlerin Anna Hackl, deren Familie bei der sogenannten Mühlviertler Hasenjagd geflohenen KZ-Häftlingen unter Lebensgefahr Unterschlupf geboten hatte.

APA/VERENA LEISS

Linz – In der Gedenkkultur haben sie bisher kaum einen eigenen Platz erhalten: die Frauen im Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Mit der Publikation "Widerstand und Zivilcourage. Frauen in Oberösterreich gegen das NS-Regime 1938–1945" soll sich das jetzt ändern. Erstmals haben die Linzer Autorinnen Martina Gugglberger, Elisa Frei und Alexandra Wachter dafür die Rolle von Frauen im Widerstand gegen das NS-Regime in wissenschaftlich fundierter Grundlagenarbeit aufgearbeitet. Und damit Menschlichkeit, Rückgrat und Courage der Widerstandskämpferinnen in Oberösterreich vor den Vorhang geholt.

Neu definierter Widerstand

Lange Zeit war im Nachkriegsösterreich der Widerstand männlich dominiert, als Messlatte galt vor allem der Kampf mit der Waffe. Aufgaben, die zumeist von Frauen ausgeführt wurden, wie die Versorgung und das Verstecken von verfolgten Widerstandskämpfern und -kämpferinnen sowie Angehörigen, gerieten so oft in Vergessenheit. Mit einer Neudefinition des Widerstandsbegriffs hat sich aber auch der weibliche Anteil in diesem Bereich deutlich erhöht, wie die neue Publikation zeigt. Das Buch spannt einen Widerstandsbogen von der Weigerung, nationalsozialistische Vorschriften einzuhalten, über den Versuch, sich der Verfolgung zu entziehen oder für die eigene religiöse Überzeugung einzustehen, bis zu politischer Agitation und der Unterstützung von Verfolgten.

So findet sich in dem Buch unter vielen berührenden Frauenbiografien auch die tragische Lebensgeschichte von Herta Schweiger. Die junge Frau war Teil einer kommunistischen Widerstandsorganisation in den Steyr-Werken, wo sie als Rotkreuzschwester arbeitete. Durch ihre berufliche Tätigkeit hatte Schweiger Zugang zu Medikamenten, die über die Widerstandsgruppe an KZ-Häftlinge weitergeleitet wurden. Herta Schweiger bezahlte diesen Einsatz mit ihrem Leben. Sie starb im Sommer 1942 in der Haft in Linz.

Das Buch selbst ist Teil eines umfassenden Projekts, das im oberösterreichischen Landtag initiiert wurde. Neben der wissenschaftlichen Arbeit wird im Lauf dieses Jahres zu Ehren der Frauen im Widerstand auch ein von Sabrina Kern und Mariel Rodriguez konzipiertes Denkmal auf dem OK-Platz in Linz er richtet werden. (Markus Rohrhofer, 29.3.2022)