Ab Freitag sollen die Gratistests eingeschränkt werden.

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Dass dieser Tag kommen wird, ist schon lange bekannt. Trotzdem wirkt es fast, als sei man im Gesundheitsministerium überrumpelt worden. Ab April sollen die Gratistests gedeckelt werden, und zwar auf je fünf PCR- und Antigentests pro Monat und Kopf – außer man erfüllt eine Ausnahme. Die Verordnung dazu steht noch aus, dennoch basteln die Länder schon an ihren Systemen.

Frage: Ich habe noch PCR-Tests zu Hause, kann ich die auch im April noch abgeben?

Antwort: Wenn Sie diese Tests zusätzlich zu den erlaubten fünf abgeben wollen, hängt das vom Bundesland ab. Vorarlberg und Tirol kündigten an, man könne im Mai ausnahmsweise zehn PCR-Tests abgeben. In der Steiermark ist es nach dem 30. März um 15 Uhr nicht mehr möglich, Gurgeltests abzugeben, dann werden alle PCR-Tests über Apotheken abgewickelt.

Frage: Wo wird man in Apotheken an PCR-Tests kommen, wo wird man daheim gurgeln?

Antwort: Auch da war Dienstagnachmittag noch einiges im Fluss. In Kärnten macht man die Apotheken-Option noch von den genauen Vorgaben des Bundes abhängig. Wien, Burgenland, Oberösterreich und Tirol wollen bei den PCR-Tests mit den Apotheken zusammenarbeiten, die Steiermark sowieso. Außer der Steiermark wollen außerdem alle Länder bei ihren Gurgelsystemen bleiben.

Frage: Welche Rechtsgrundlagen stehen aus?

Antwort: Eine Verordnung des Gesundheitsministeriums muss spätestens Donnerstagabend vorliegen. Offen ist auch die Grundlage für die Abgabe der Gratis-Antigentests in den Apotheken. Da gingen einige Gesetzesänderungen bereits durch den Nationalrat, sie müssen aber am 7. April noch durch den Bundesrat. Die Apotheken können also erst danach die Gratis-Wohnzimmertests ausgeben – oder sie auch direkt vor Ort abnehmen. Wie das gehandhabt werde, obliegt den Ländern, heißt es aus dem Ministerium.

Frage: Welche Fragen sind da noch offen?

Antwort: Die Länder kritisieren, dass das alles so lange dauert. Immerhin müssen sie ihre Testsysteme jetzt umstellen und damit eine Verordnung umsetzen, deren Inhalt sie nicht kennen. Allem voran geht es darum, wie jene Tests abgewickelt werden sollen, die über das Gratiskontingent hinausgehen. Bei symptomatischen Personen ist das relativ einfach, da gibt es die Hotline 1450, wobei man in Wien deren Überlastung befürchtet. Komplizierter wird das etwa, wenn man den Test für einen Besuch im Altenheim braucht. Einige Länder wollen da auf die Eigenverantwortung der Menschen vertrauen und das über ihre Gurgelsysteme lösen: Da soll man ankreuzen können, dass und warum man einen weiteren Test braucht. In Kärnten aber ist man etwa in Sorge, dass das dem Bund nicht ausreicht und man auf den Testkosten sitzenbleibt. In Niederösterreich will man in Spitälern und Heimen vor Ort Antigentests anbieten.

Frage: Kommt da noch ein zentrales System?

Antwort: Aus dem Gesundheitsministerium hieß es auf Anfrage, man plane kein Datensystem, das Länder, Apotheken oder Labore irgendwie miteinander verknüpft. Das heißt wohl auch, dass eine Person sich in mehreren Bundesländern Tests abholen können wird.

Frage: Wird denn noch so viel getestet?

Antwort: Bis zum vergangenen Sommer wurden in Österreich an den meisten Tagen unter 100.000 PCR-Tests am Tag durchgeführt. Über den Winter stieg das auf mehrere Hunderttausend Tests am Tag an, seit einer Woche fällt die Zahl im Schnitt aber wieder leicht. In diesen Zahlen sind PCR-Tests in Apotheken und Schulen nicht mit eingerechnet.

Grafik: Der Standard, Quelle: Sozialministerium

Frage: An den Schulen werden die Kinder und Jugendlichen aktuell dreimal pro Woche getestet – davon mindestens zweimal per PCR-Methode. Wie geht es ab April weiter?

Antwort: Nach den Osterferien, mit 18. April, werden die Tests reduziert. Ab dann werden die Schülerinnen und Schüler nur mehr einen PCR-Test pro Woche in ihrer Bildungseinrichtung absolvieren. Zusätzlich sind Antigentests möglich – allerdings nur, wenn es zuvor einen positiven Fall gegeben hat. Keine Änderungen gibt es vorerst bei der Maskenpflicht. Diese gilt weiterhin abseits des Sitzplatzes.

Frage: Wie wirkt sich das neue Testregime auf die Hochschulen aus?

Antwort: Auch an den Unis wartet man derzeit auf die Bundesverordnung. Denn: Einige Hochschulen haben noch immer Zutrittskontrollen. So gilt etwa an der Wiener Angewandten: Rein darf bis zu den Osterferien nur, wer PCR-getestet ist. Wenn die kostenlosen PCR-Tests beschränkt sind, werde man an den Zutrittsregeln rütteln müssen, heißt es von der Kunstuni. Nicht final entschieden, wie es weitergeht, hat man an der Wirtschaftsuni Wien. Am Dienstag hieß es, man wolle vorerst an der 2,5G-Regel festhalten – Studierende wie Lehrende müssen geimpft, genesen oder PCR-getestet sein. Gleiches gilt an der JKU Linz bis zu den Osterferien. In den Ferien wird das Personal Gratis-Antigentests vor Ort machen können, die ab dann für den Einlass reichen.

Frage: Werden Betriebe, die ihre Mitarbeiter testen, weiter Kostenersatz erhalten?

Antwort: Nein, laut dem Wirtschaftsministerium wird auch die Finanzierung betrieblicher Tests, die Ende März ausläuft, nicht verlängert. Bisher erhielten Betriebe eine Pauschale von zehn Euro pro durchgeführten Test.

Frage: Wenn weniger getestet wird: Wie kann ein umfassender Überblick über das Pandemiegeschehen gewahrt bleiben?

Antwort: Laut Gesundheitsministerium wird "künftig mehr Fokus auf das Abwasser-Monitoring gelegt". Dieses ist um ein Vielfaches kostengünstiger als hunderttausende PCR-Tests pro Tag. Zur Beobachtung der Covid-Ausbreitung gibt es zwei bundesweite Abwasserprojekte: Beim Schulstandortmonitoring werden zweimal wöchentlich Proben aus 120 Kläranlagen genommen. Beim nationalen Monitoring sind es Proben aus den 24 größten Kläranlagen. "Der generelle Trend geht Richtung Stabilisierung", sagt Norbert Kreuzinger von der TU Wien dem STANDARD. In einigen Regionen sei der Omikron-Höhepunkt überschritten, in einzelnen nehme das Virenmaterial im Abwasser noch zu. (Oona Kroisleitner, David Krutzler, Gabriele Scherndl, 30.3.2022)