Regenbogenfahnen bei einem Protest in den USA.

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London – Die britische Regierung hat Pläne zur Einführung eines gesetzlichen Verbots sogenannter Konversionstherapien fallengelassen. Das Kabinett von Premierminister Boris Johnson prüfe stattdessen, wie bestehende Gesetze effektiver genutzt werden könnten, um gegen solche "Behandlungen" vorzugehen, erklärte ein Regierungssprecher am Donnerstag. Auch Maßnahmen, die kein Gesetz erfordern, würden geprüft.

Sogenannte Konversionstherapien zielen darauf ab, die homosexuelle Orientierung eines Menschen zu ändern beziehungsweise zu "heilen" und in heterosexuelles beziehungsweise asexuelles Verhalten umzuwandeln. Sie vermitteln den Eindruck, dass Homosexualität eine Erkrankung sei, die bekämpft werden müsse. Sie sind in vielen Staaten verboten, in Österreich soll ein Verbot noch heuer kommen.

Langsamer Prozess

Ein Gesetz zum Verbot von Konversionstherapien war in Großbritannien erstmals 2018 angekündigt worden. Im Oktober erklärte die Regierung dann, dass ein entsprechender Gesetzesentwurf Anfang des Jahres vorgelegt werden könnte. Laut dem Sender ITV lehnte Premierminister Johnson es zuletzt aber ab, die Pläne weiter voranzutreiben.

Laut einer von der Regierung in Auftrag gegebenen Untersuchung aus dem Jahr 2017 wurde etwa fünf Prozent der im Vereinigten Königreich lebenden LGTBQ-Menschen schon einmal eine Konversionstherapie angeboten. Zwei Prozent der Menschen durchliefen in ihrem Leben eine solche Behandlung.

Aktivisten kritisieren die vor allem in religiösen Gemeinschaften verbreitete Praxis als zutiefst traumatisierend für die Betroffenen. Der größte Psychologenverband in Großbritannien bezeichnete die Therapien im Jahr 2015 als "unethisch und potenziell schädlich". (APA, 1.4.2022)