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Vier Ex-Vorstände von Glock-Stiftungen bekämpfen ihre Abberufung, die Glock-Seite fordert eine Honorarauszahlung von rund 19 Millionen Euro zurück.

Foto: Getty Images/ Anadolu Agency

Gaston Glocks Empörung war groß. "Wenn ich das auch nur einmal gemacht hätte, hätte ich mir ja hier nie mein Imperium aufbauen können", er werfe doch nicht Geld beim Fenster raus, "das habe ich noch nie getan". So sprach der Waffenproduzent voriges Jahr bei einer Gerichtsverhandlung, die in seinem Haus in Velden am Wörthersee abgehalten wurde, um dem alten Herrn in Corona-Zeiten die Anreise ins Wiener Landesgericht für Zivilrechtssachen zu ersparen.

Das Verfahren ist immer noch anhängig, am 25. März fand die jüngste Verhandlung statt, diesmal wieder am Landesgericht für Zivilrechtssachen in Wien. Es geht um Rechtsstreitigkeiten mit vier früheren (oder, je nach Rechtsansicht: amtierenden) Vorstandsmitgliedern der Glock und Value-Privatstiftung, die beide dem 92-jährigen Waffenfabrikanten zuzurechnen sind.

Glock sieht "Malversationen"

Der hat die Vorstandsmitglieder Ende 2019 abberufen, nachdem die sich 2018 in Summe 18,7 Millionen Euro ausbezahlt hatten, er habe von diesen "Malversationen" erst ein Jahr später erfahren, wie Glock behauptet. Die Entnahmen aus den Stiftungen, in denen sein ganzes Vermögen stecke, die seien "keine Kleinigkeit" gewesen. Die vier Ex-Vorstände sagen, es sei alles so vereinbart gewesen und bekämpfen ihren Rauswurf vor Gericht. Die Glock-Seite hat in Klagenfurt auf Rückzahlung der 19 Millionen Euro geklagt, das Verfahren ist anhängig. Ein Verfahren zu einer Klage, die die Ex-Vorstände vor dem Handelsgericht Wien eingebracht hatten, ist bereits fertig verhandelt – da wartet man auf das Urteil.

Und: Glock und die Stiftungen brachten Anfang 2020 Strafanzeige gegen die Ex-Vorstände ein, sie werfen ihnen unter anderem schweren Betrug, Urkundenfälschung und -unterdrückung und Bilanzfälschung vor. Schwere Geschütze also – aber auf strafrechtlicher Ebene hat die Glock-Seite verloren. Die WKStA hat ihre Ermittlungen eingestellt, der letzte Fortführungsantrag wurde am 23. März vom Landesgericht Wien abgewiesen: Es dränge sich "zunehmend der Eindruck eines substratlosen Vorwurfs im strafrechtlichen Sinne" gegen die ehemaligen Vorstandsmitglieder auf.

Ein Rosenkrieg mit Folgen

Auslöser der Kalamitäten war der Rosenkrieg zwischen Glock und seiner Ex-Frau Helga, in dem es um den Einfluss im Konzern und in den Stiftungen, deren Milliardenvermögen und wirklich viel Geld ging. Glock hatte 2011 eine um 52 Jahre jüngere Frau geheiratet, Kathrin Glock. Seine Ex-Frau brachte schwerwiegende Klagen ein – und 2018 berief das Gericht auf ihren Antrag die Stiftungsvorstände ab, die Helga Glock zuvor als Begünstigte ausgeschlossen hatten.

Alle Konzerngesellschaften sind Stiftungstöchter, der Glock Privatstiftung gehört die Gaston Glock GmbH mit ihren Waffenfabriken. 2020 setzte der Konzern 780 Millionen Euro um, der Gewinn verdreifachte sich auf 167 Millionen Euro. Mit seiner Ex-Frau hat sich der Fabrikant dann verglichen.

Fremder Einfluss drohte

Doch damals, 2018, hätte das Gericht völlig fremde Stiftungsvorstände bestellen können, die dann das Sagen gehabt hätten. Die Stimmung war dementsprechend "nervös", schilderte Glock und man habe in einer Krisensitzung überlegt, wie man aus der Situation wieder rauskomme. Die Lösung: Er bestellte die Abgesetzten gleich wieder und als Backup drei denen bzw. ihm vertraute Vorstandsmitglieder dazu.

Gleich nach ihrer Wiederbestellung zahlten sich die Altvorstände (drei von ihnen kassierten je 900.000 Euro im Jahr) ihr Honorar für die gesamte Laufzeit aus. Sie argumentieren, es sei dabei um eine nachträgliche Honorarerhöhung gegangen. Alles mit Glock vereinbart, sagte einer der Kläger auch am 25. März wieder aus.

Unterschriften stapelweise

Die Glock-Seite (sie gibt zu laufenden Verfahren keine Stellungnahme ab) hält in der Klagebeantwortung dagegen: Er sei nicht informiert worden und hätte dem allen nie zugestimmt. Unterlagen dazu seien ihm unterschoben worden. Das Unternehmen gibt zu laufenden Verfahren keine Stellungnahme ab.

Der Richterin schilderte er, einer der Kläger habe ihm immer eine Mappe mit Unterlagen, acht bis zehn Millimeter dick und voll mit Unterlagen, vorgelegt und ihm gesagt, dass er dort unterschreiben solle "und das habe ich getan". Der Ex-Vorstand zeichnete jüngst ein anderes Bild: "Glock war ein sehr aufmerksamer und cleverer Geschäftsmann, er braucht kein Kindermädchen. Der Herr Glock war kein Depp, er hat gewusst, was er unterschreibt." Und: "Entweder will oder kann er sich nicht erinnern."

Sollten Glocks sparen?

Die Kläger glauben ja, ihr Rauswurf habe damit zu tun, dass sie sparsamer mit dem Geld der Stiftungen umgehen hätten wollen. Von 2014 bis 2019 betrugen die Zuwendungen aus den Stiftungen rund 380 MillionenEuro, viel davon floss ans Pferdesportzentrum GHPC, das Kathrin Glock und ihr Mann leiten.

Glock selbst bestreitet auch, einer rückwirkenden Honorarerhöhung oder einer Vorauszahlung zugestimmt zu haben. Letzteres kreuze sich "mit seiner Grundeinstellung: Bevor er zahle, "muss zuerst eine Leistung auf dem Tisch liegen".

Die Verhandlung in Wien geht im August weiter. (Renate Graber, 4.4.2022)