Alle Kollegen auf dem Weg zu Benzema.

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Fassungslosigkeit bei den Blues.

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London – Thomas Tuchel schaute finster und redete sich richtig in Rage. "Schlimme Niederlage", schimpfte er nach dem 1:3 (1:2) gegen Real Madrid, "viel zu wenig" und "so kann man auf diesem Level nicht spielen". Die Aussichten für seinen FC Chelsea für das Viertelfinal-Rückspiel nächste Woche in Madrid? Düster. "Wenn wir so weitermachen", sagte Tuchel, würden die Blues "im Bernabeu verprügelt".

Und während sich Tuchel den Kopf zerbricht, weshalb Chelsea so "weit entfernt von allen Maßstäben" war, "die wir uns selbst setzen", genoss Real mit David Alaba und Trainer Carlo Ancelotti einfach einmal den Moment. Der 34-jährige Karim Benzema, der schon in der Runde zuvor im Rückspiel drei Mal gegen Paris St. Germain getroffen hatte, lässt Madrid vom ersten Triumph in der Königsklasse seit 2018 träumen. Der Altmeister aus Frankreich habe eine "fantastische Leistung" gezeigt, sagte Ancelotti: "Er wird jeden Tag besser, wie Wein."

Tuchel war nach diesem bitteren Abend in der Champions League nicht einfach nur sauer, enttäuscht, frustriert – nein, der Teammanager war völlig desillusioniert. Denn der Titelverteidiger wurde von Real um den überragenden Dreifach-Torschützen Benzema vorgeführt. Und das zu Hause, vor den eigenen Fans an der Stamford Bridge. Die erste Hälfte sei wohl die "schlechteste Halbzeit" seines Teams gewesen, die er in den 15 Monaten seiner Amtszeit mit anschauen musste.

Fehler in der Defensive – wie vor dem dritten Benzema-Treffer bei Torwart Edouard Mendy und Antonio Rüdiger, die unbeholfenen Abschlüsse und das klägliche Versagen, der Energie von Real etwas entgegen zu setzen – Chelseas aktuelle Verfassung ist erschreckend. Ob er nach dem Desaster noch eine Chance auf das Halbfinale sieht, wurde Tuchel gefragt. Seine Antwort: "Nein. Im Moment nicht, nein."

Seit der Länderspielpause ist Chelsea nicht wiederzuerkennen, völlig von der Rolle. Der Real-Pleite ging eine 1:4-Demütigung gegen den FC Brentford voraus. Und Tuchel dürfte sich Sorgen machen, ob es in der Liga so noch zu einem Platz unter den ersten Vier reicht – um sich erneut für die Champions League zu qualifizieren.

Dass sich die zunehmende Unruhe womöglich jetzt auch auf dem Platz auswirkt, wies Tuchel zurück. "Ich glaube nicht, dass es einen tieferen Grund dafür gibt", sagte der 48-Jährige. Aber hilfreich ist der Wirbel rund um den anstehenden Verkauf durch den Eigentümer Roman Abramowitsch, gegen den die EU wegen des russischen Angriffs auf die Ukraine Sanktionen verhängt hat, sicher auch nicht. (sid, 7.4.2022)