Teamchefin Irene Fuhrmann hat ein wildes, weil aufregendes Jahr vor sich. Im Juli geht es zur Europameisterschaft nach England.

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Die Pflicht wird im Fußball oft bedient. Da gibt es Pflichtspiele, Pflichtsiege, Verpflichtungen, Pflichttermine, verpflichtende Einberufungen. Mit der Pflicht kommt auch der Druck. Für das Frauennationalteam unter Teamchefin Irene Fuhrmann stehen die ersten zwei Pflichtspiele des Jahres auf dem Programm. In Wiener Neustadt geht es zuerst gegen Nordirland (Freitag, 20.30 Uhr, ORF Sport Plus) und dann gegen Lettland (Dienstag, 19 Uhr, ORF Sport Plus). Es sind Spiele in der Qualifikation zur Weltmeisterschaft 2023 in Australien und Neuseeland. Österreich war noch nie bei einer WM. In der Quali-Gruppe D hält man bei 13 Punkten, die Favoritinnen aus England ziehen vorne weg, 18 Punkte aus sechs Partien sind das Maximum. Platz zwei wäre enorm wichtig, da der zum Antritt in den mehrstufigen Play-offs berechtigt.

"Der Plan ist als Siegerinnen vom Platz zu gehen", sagt Fuhrmann vor der Partie gegen Nordirland dem STANDARD. Fuhrmann hat Sorgen, vor allem Personalsorgen. Kapitänin Viktoria Schnaderbeck ist wegen einer Corona-Infektion gar nicht erst angereist, die Bayern-Spielerinnen Carina Wenninger und Sarah Zadrazil waren erst kürzlich positiv, Virginia Kirchberger arbeitet nach einer schweren Verletzung am Comeback. Auch Toptorschützin Nicole Billa war fraglich. Zadrazil, Wenninger und Billa trainierten aber schon.

Bayerns Zadrazil konnte immerhin am Wochenende spielen, das Gemüt dürfte nach dem 0:6-Debakel der Münchnerinnen beim Spitzenspiel in Wolfsburg aber gelitten haben. Es waren generell schwierige Wochen für einige Leistungsträgerinnen, in der Champions League ist keine Österreicherin mehr dabei. (Ausgeschieden: Zinsberger und Wienroither mit Arsenal, Wenninger und Zadrazil mit den Bayern).

Das Nationalteam ist Pflicht und willkommene Abwechslung zugleich: "Viele Spielerinnen kennen sich schon so lange, sind schon lange im Team. Es ist wie zu einer zweiten Familie zu kommen", sagt die 41-jährige Teamchefin. Will man die Quali-Gruppe hinter England auf Platz zwei abschließen, ist ein Sieg gegen Nordirland quasi Pflicht. Das weiß Fuhrmann, das wissen die Spielerinnen.

Belfaster Nackenschlag

Im Fifa-Ranking ist Österreich 21., Nordirland liegt auf Platz 46. Bei der ersten Begegnung im Oktober 2021 sorgte Stefanie Enzinger erst in den Schlussminuten für den Ausgleich. Das 2:2 war ein Nackenschlag, da Österreich mehr vom Spiel hatte, die Nordirinnen ärgerten das Team von Fuhrmann immer wieder mit schnellen Gegenstößen und zwei Toren. "Wir hatten auch in Belfast mehr Ballbesitz. Ihre absolute Stärke ist es aber, nach dem Ballgewinn schnell umzuschalten. Wir müssen mit dem Ball sehr konzentriert sein, blöde Fehler vermeiden", sagt Fuhrmann im Vorfeld der Partie.

Dieses Vorfeld ist im weiteren Sinne auch das Vorfeld der Europameisterschaft. Die geht im Juli in England über die Bühne, Österreich wird zum Eröffnungsspiel im bereits ausverkauften Old Trafford auf Gastgeber England treffen. Eine ordentliche Pflicht, die Highlight und Druck gleichzeitig ist. Man trifft außerdem auf Norwegen und Nordirland. Beim ersten Trainingslager des Jahres im Februar konnten die Österreicherinnen vor allem beim Test (also keine Pflicht) gegen die Schweiz überzeugen, zeigten beim 3:0-Sieg eine beeindruckende Leistung.

Wenn das Spiel gegen Nordirland ein Pflichtsieg ist, ist die Partie gegen Lettland am Dienstag ein Musspflichtsieg. Die Lettinnen sind Stockletzte, haben eine Tordifferenz von minus 44. Für das Betreuerteam gilt es da vor allem die Spannung zu halten, Überheblichkeit und Schlendrian spielen nicht gut Fußball. Die Teamchefin gibt sich, das ist so üblich im Sport, optimistisch, aber vorsichtig: "Man muss das Spiel auch erst einmal gewinnen." Aber auch: "Fußball muss auch Spaß machen." (Andreas Hagenauer, 8.4.2022)