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Symbolischer Schwimmakt von Ruta Meilutyte.

Foto: AP/Neringa Rekasiute

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2012 hatte sie als 15-Jährige in London Olympiagold über 100 m Brust geholt.

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Es war sozusagen ein Blutbad. Das Wasser nahe der russischen Botschaft in Litauen hatte sich rot verfärbt, durch den Teich kraulte die 25-jährige Profischwimmerin Ruta Meilutyte. Keine Sorge, das Blut war nicht echt, der Farbstoff ist, darauf wird Wert gelegt, biologisch abbaubar. Weder Fisch noch Frosch kamen zu Schaden, die Kunstaktion "Swimming through" ging im Eiltempo viral.

Meilutyte ist im Sportbecken keine Unbekannte: Sie gewann als 15-Jährige Olympiagold über 100 Meter Brust, sie wurde Weltmeisterin und brach zahlreiche Rekorde. Nicht so ernst nahm es die Litauerin mit Dopingkontrollen. 2019 wurde sie für zwei Jahre gesperrt, da sie dreimal gegen Anti-Doping-Bestimmungen verstoßen hatte, indem sie zu den Kontrollen nicht erschienen war. Es ist bei aller gebotenen Vorsicht eher auszuschließen, dass sie nur vergesslich ist. Zuletzt kehrte Meilutyte bei nationalen Wettkämpfen in den Sport zurück, ein internationales Comeback scheint zumindest denkbar.

15min

Nun geht es aber nicht um Bestzeiten und sauberen Sport, sondern um Frieden und Kriegsverbrechen. "Wir dürfen uns von den schrecklichen Bildern nicht betäuben lassen. Der scheinbar nicht enden wollende Schrecken, den Russland der Ukraine auferlegt, darf keine Norm werden", schreibt Meilutyte auf Twitter. Der blutige Teich solle "die Verantwortung Russlands für die Kriegsverbrechen an den Ukrainern unterstreichen". Das Schwimmen symbolisiere "die Notwendigkeit einer kontinuierlichen Anstrengung, um sich in den Bemühungen durchzusetzen."

Meilutyte wurde 1997 in Kaunas geboren, und sie hat es weiß Gott nicht immer leicht gehabt. Als die Kleine vier Jahre alt war, starb ihre Mutter bei einem Autounfall. Sie wuchs fortan mit Vater, Großmutter und den zwei älteren Brüdern auf. Als Teenager übersiedelte das schwimmende Wunderkind schließlich nach Plymouth in England und intensivierte das Training. Der Rest ist ein Stück Sportgeschichte.

"Es ist wichtig, dass wir weiter handeln – wahrheitsgemäße Informationen verbreiten, ehrenamtlich arbeiten, protestieren, spenden und Regierungen zum Handeln drängen", sagte Meilutyte, nachdem sie dem roten Gewässer in Vilnius entstiegen war. Besonders die deutsche Regierung nimmt die Aktivistin dabei in die Pflicht: "Wenn Länder wie Deutschland nicht eingreifen und keine angemessenen Sanktionen gegen den Aggressor verhängen und Geld über Menschen stellen, fällt es schwer, Hoffnung zu haben." (Philip Bauer, 7.4.2022)