Durch Omikron steigen die Reinfektionen, wie sich in den Zahlen deutlich zeigt: Knapp 97 Prozent der Mehrfachinfektionen wurden im Jahr 2022 gemeldet.

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Während sich manche auch nach mehr als zwei Jahren Pandemie noch nicht mit Covid-19 infiziert haben, bedeutete die Omikron-Welle für andere bereits die zweite oder sogar dritte Corona-Erkrankung. Was man anekdotisch bei sich selbst oder im Bekanntenkreis beobachtete, bestätigt eine Analyse der Zahlen: Von bisher gut vier Millionen gemeldeten Infektionen waren 322.607 Zweitinfektionen und 7402 Drittinfektionen. Das heißt: Fast acht Prozent aller Corona-Genesenen haben bereits zwei Infektionen hinter sich, und 0,18 Prozent sind sogar schon drei Mal an Covid-19 erkrankt – Tendenz weiter steigend.

Dass sich immer mehr Menschen mehrfach infizieren, sei laut Fachleuten vor allem den unterschiedlichen Varianten geschuldet, die den Immunschutz gegen Infektion immer wieder besser unterlaufen als ihre Vorgänger. Eine britische Erhebung macht das deutlich: Seit der Dominanz von Omikron sei das Risiko für eine Reinfektion 16-mal so hoch wie zuvor. Eine Entwicklung, die Simulationsforscher Niki Popper auch hierzulande beobachtet: "Man sieht deutlich, dass die Zahlen der Zwei- und Mehrfachinfektionen durch Omikron steigen." Vor Omikron kam es kaum zu Mehrfachinfektionen, knapp 97 Prozent aller Reinfektionen wurden im Jahr 2022 gemeldet.

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Das habe mit der sogenannten Kreuzimmunität zu tun, erklärt der Virologe Christoph Steininger von der Med-Uni Wien: "Je näher zwei Virustypen miteinander verwandt sind, umso wahrscheinlicher sind wir geschützt. Bei Omikron und Delta ist der Unterschied so groß, dass eine Delta-Infektion nicht sehr gut vor einer Omikron-Infektion schützt."

Reinfektion mit anderen Varianten

Auf lange Sicht werden sich wohl alle mehrmals mit Corona infizieren, sind sich Fachleute einig. Die Zahl der Reinfektionen wird weiter steigen. Man kenne dieses Phänomen von anderen Infektionserkrankungen, sagt Steininger: "Man denke an Schnupfen. Bei den Rhinoviren gibt es mehr als 100 Subtypen. Alle Menschen hatten schon einmal einen Schnupfen, trotzdem bekommen wir immer wieder mal einen." Das heiße allerdings nicht, dass man eine Covid-19-Infektion mit einem Schnupfen vergleichen könne, betont er: "Corona ist eine schwere Infektionserkrankung. Der Schnupfen ist auch deshalb milder, weil wir hier schon eine breite Immunität haben."

Dass man sich mit der gleichen Virusvariante zweimal infiziert, sei dementsprechend unwahrscheinlich, ergänzt Dorothee von Laer, Virologin von der Med-Uni Innsbruck: "Die Wahrscheinlichkeit, sich nach Omikron BA.2 ein weiteres Mal mit BA.2 zu infizieren, liegt bei unter einem Prozent."

Wer hingegen mit Delta oder einer früheren Variante infiziert war und nicht zusätzlich geimpft ist, sei zu nur etwa 50 Prozent vor einer Reinfektion mit Omikron geschützt. Hybrid immune Menschen – also jene, die durch Impfung und Infektion – haben das geringste Risiko für Reinfektionen mit Omikron, erklärt die Virologin: "Die haben so viele Antikörper, dass sie auch sehr gut vor BA.1 und BA.2 geschützt sind."

Davon ist zumindest auf Basis von Antikörperdaten auszugehen, Reinfektionsdaten gibt es kaum: "Aus Antikörperzahlen muss man auch annehmen, dass sich die Omikron-Varianten BA.1 und BA.2 nur bedingt gegenseitig schützen. Es gibt einen gewissen Kreuzschutz, aber die Wahrscheinlichkeit zur Reinfektion ist relativ hoch", sagt von Laer.

Künftig mildere Verläufe

Die Verläufe seien laut von Laer bei Reinfektionen leichter als bei Erstinfektionen, denn: Je öfter man Kontakt mit dem Virus hat, desto breiter wird die Immunität. Trotzdem sollte man sich weiter bestmöglich schützen – insbesondere durch Impfung, appelliert Steininger: "Eine Infektion bietet immer noch das Risiko eines schweren Verlaufs." Künftig würden die Verläufe bei einer Covid-19-Erkrankung aber immer leichter werden, prognostiziert er: "Weil die Bevölkerung immer mehr Grundimmunität haben wird." (Magdalena Pötsch, 12.4.2022)